Literatur-Analyse und Eindrücke

Liebe Leserinnen und Leser,

heute möchte ich den Fokus auf ein Paper legen, mit welchem ich mich seit dem letzten Post intensiver beschäftigt habe. Außerdem möchte ich meine Gedanken zu einer Thematik darlegen, die als Erstes in einem Gespräch Ende Dezember aufkam, aber für mich aktuell in den Vordergrund gerückt ist.

Literatur-Analyse

Mit dem Ziel, mir einen groben Überblick über das Feld der Barrierefreiheitsforschung zu verschaffen, habe ich mich auf die Suche nach einer aktuellen und qualitativ guten Literatur-Analyse begeben. Fündig geworden bin ich beim Paper von Mack et al. (2021). Die Autoren werten Artikel von zwei großen Konferenzen des Fachgebietes aus, nämlich der Conference on Human Factors in Computing Systems (CHI) und der ACM Conference on Accessible Computing (ASSETS). Die Auswertung ist unterteilt in zwei überlappende Zeiträume: 2010 – 2019 und 1994 – 2019. In der den kürzeren Zeitraum betreffende Analyse wurden 506 Veröffentlichungen bearbeitet, während die Analyse des Zeitraums 1994 – 2019 836 Veröffentlichungen beinhaltete. Wesentliche Erkenntnisse, die mir subjektiv neu waren:

  • Die Forschung im Bereich Barrierefreiheit hat einen starken Fokus auf Menschen mit Sehbeeinträchtigung oder -behinderung (engl. Blind and Low Vision People, kurz BLV)
  • Der Einbezug von Begleitpersonen bzw. Repräsentanten sowie Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmern ohne Behinderung kann Erkenntnisgewinn bieten, aber auch durchaus heikel bis nachteilig sein
  • Die Differenzierung zwischen medizinischem und sozialem Modell

Letzteres möchte ich kurz detaillierter ausführen. Insbesondere gestolpert bin ich über die Phrase „identify as disabled“ auf Seite 4 des Papers. Ich habe mich anhand dieser Phrase gefragt, ob es in irgendeiner Art eine normative Instanz oder eine Richtlinie gibt, die den Status eines Menschen definiert, oder ob das ein jeder mit sich selbst ausmacht. Im Betreuungsgespräch am 20.1.2022 mit Sven Bittenbinder habe ich diese Frage gestellt. Sven hat mir dann erklärt, dass das im medizinischen Modell zwar ein Arzt entscheidet, aber dass im sozialen Modell die Behinderung als durch das Umfeld gegeben erachtet wird, bspw. wenn eine Person mit Gehbehinderung vor einer Treppe steht. Das hat mir geholfen, den Perspektivwechsel zu durchdenken.

Persönliche Eindrücke

Neben der Literatur-Analyse ist mir ein, meiner subjektiven Meinung nach, eher schwer fassbares Thema durch den Kopf gegangen. Im weiter oben bereits erwähnten Gespräch mit Sven kam auch das Thema auf, dass Personen mit Beeinträchtigung sich übergangen fühlen, wenn etwas für sie designed wird ohne ihre Beteiligung. Dass das ein Thema werden könnte, dachte ich zum ersten Mal, als Fabiano Pinatti mir im Betreuungsgespräch am 23.12.2021 Kritik zu meinen Blogpostings weitergab. Kritisiert wurde, dass der Eindruck entstehe, dass ich als „truthholder“ schreiben würde. Das habe ich so interpretiert, dass die Postings besserwisserisch wirken. Da ich selbst „nur“ durch eine verringerte Sehfähigkeit beeinträchtigt bin, was sich durch eine Brille lösen lässt, fürchte ich, dass ich bei meiner Arbeit unbeabsichtigt Menschen mit anderen oder stärkeren Beeinträchtigungen übergehen könnte. Das hebt für mich die Wichtigkeit des „Participatory Design“-Ansatzes hervor, der vereinfacht gesagt daraus besteht, die Ziel-Nutzer-Gruppe beim Design eines Produktes mit einzubeziehen.

Ich wünsche jeder Leserin und jedem Leser einen guten Start ins neue Jahr und in Anbetracht der aktuellen Lage Gesundheit.

Liebe Grüße,
Stefan

Literatur

Mack et al. (2021): „What do we mean by ‚Accessibility Research‘? – A Literature Survey of Accessibility Papers in CHI and ASSETS from 1994 to 2019“ von Kelly Mack, Emma McDonnell, Dhruv Jain, Lucy Lu Wang, Jon E. Froehlich und Leah Findlater, veröffentlicht 2021, CHI Conference on Human Factors in Computing Systems (CHI ’21)

WCAG-Fortschritt

Liebe Leserinnen und Leser,

ich möchte von meinem zwischenzeitlichen Fortschritt beim Einarbeiten in die WCAG-Guidelines berichten. Zuerst soll ein technischer Teil stehen mit Guidelines, die ich für besonders hervorhebenswert halte, und anschließend ein, zwei persönliche Überlegungen.

Technisches

An erste Stelle setzen möchte ich hier WCAG Success Criterion 2.1. Es steht unterhalb der Anforderung „Operable“, welche das Kaptel 2 in den WCAG Guidelines darstellt. Punkt 2.1 trägt die Überschrift „Keyboard“ und beinhaltet diverse, meiner subjektiven Meinung nach, ausgesprochen angenehme und erstrebenswerte Punkte, u.a.:

  • No Keyboard Trap
    Es ist nicht möglich, sich per Keyboard an einen Punkt oder ein Element der Seite zu navigieren, welches man nicht per Keyboard wieder verlassen kann
  • Charakter Key Shortcuts
    Wenn bestimmte Zeichen mit Sonderfunktionen belegt sind, ist es wahlweise möglich, diese umzubelegen um z.B. Strg oder Alt mit einzubeziehen, die Sonderfunktionen sind nur an bestimmten Elementen aktiv oder man kann sie ganz ausschalten

Des Weiteren aufgefallen ist mir Success Criterion 1.4.10 „Reflow“. Ich gebe zu, ich musste an dieser Stelle erst nachrecherchieren, was mit Reflow genau gemeint ist, aber dankenswerterweise bietet die Webseite hier wie auch bei nahezu allen anderen Punkten Beispiele und Erläuterungen. Vorausgesetzt, ich habe die Inhalte richtig verstanden, besagt das Success Criterion, dass man eine Webseite auf mindestens 400% vergrößern können muss, ohne in mehr als eine Richtung (horizontal / vertikal) scrollen zu müssen. Das betrifft speziell Menschen mit eingeschränkter Sicht, z.B. ältere Menschen.

Persönliche Überlegungen / Nebenkriegsschauplätze

Ich habe mir zwischenzeitlich das Buch „Fit fürs Studium – Statistik“ von Benno Grabinger in der 2. Auflage zugelegt. Ziel ist es, mein spärliches statistisches Wissen auszubauen, da ich denke, dass das auch Vorteile für die statistischen Auswertungen der qualitativen Studie in meiner Masterarbeit hat. Daneben habe ich überlegt, wo Web Accessibility mich persönlich betrifft bzw. wo ich mein Verhalten verbessern könnte. In erster Linie dachte ich hierbei über Bildbeschreibungen nach. In meinen Blogbeiträgen verwende ich zurzeit keine Bilder, aber sollte sich das ändern (was ich für recht wahrscheinlich halte), werde ich darauf achten, solche beizufügen. Nun betreibe ich auf Twitter nicht nur einen seriöseren Account, der meine Blogbeiträge verbreitet nebst weiteren Tweets zu ernsthafteren Themen beinhaltet, sondern auch einen Spaß-Account, auf dem ich durchaus auch häufiger Fotos verwende. Hier versuche ich mir aktiv anzugewöhnen, Bildbeschreibungen zu verwenden.

Weiter gedacht stelle ich an mich selbst die Frage, ob ich als Serverbetreiber für meine eigenen Inhalte nicht auch meine Webseiten auf Einhaltung von WCAG prüfen und ggf. Abhilfe schaffen sollte. Das werde ich mir als Aufgabenpaket nehmen, durchdenken und über eventuelle konkrete technische Maßnahmen berichten.

Ich wünsche ein schönes Wochenende sowie einen guten Start in die neue Woche!
Liebe Grüße,
Stefan

Text to Speech im Web-Browser

Liebe Leserinnen und Leser,

ich habe mich im Rahmen meiner Recherche mit dem Gedanken befasst, selbst Technologie auszuprobieren, die für Barrierefreiheit sorgt bzw. sorgen soll (siehe hier, Abschnitt „Technisches“). Das möchte ich im aktuellen Beitrag etwas vertiefen. Ich habe mich beim Lesen meiner Recherchepaper gefragt, ob es Programme zum Vorlesen von PDF-Dateien gibt. Aus Programmierersicht sehe ich zwei Hauptschwierigkeiten:

  1. Text in PDF-Dateien zuverlässig und richtig erkennen, sowohl Buchstaben, Worte und Absätze als auch beabsichtigte Formatierung
  2. Den Text auf menschenverständliche Weise vorlesen, was meines Erachtens Silbentrennung, Intonation und Punktuation betrifft

Da ich bei meiner, zugegebenermaßen etwas oberflächlichen, Suche nicht auf Programme mit dieser Funktionalität gestoßen bin, und in vielen Bereichen der Softwareentwicklung der Trend Richtung Browser geht, möchte ich zwei Wege vorstellen, PDFs im Browser vorlesen zu lassen.

Microsoft Edge

Was mich ehrlicherweise überrascht hat, ist die Integration einer Vorlesefunktion in den PDF-Viewer von Microsoft Edge. Bei Firefox (Version 95.0.4) konnte ich eine solche Funktion nicht nativ ausmachen. Ich habe mir dann das Paper „What do we mean by ‚Accessibility Research‘?“ von Kelly Mack et al. vorlesen lassen. In Edge unter Microsoft Windows klappte das für mich erstaunlich gut.

Mozilla Firefox

Es betrübte mich, dass Edge in diesem einen Punkt meinem Lieblings-Browser so weit voraus zu sein schien. Für Firefox konnte ich immerhin ein Plugin ausmachen, welches diese Funktionalität bietet: „Read Aloud: A Text to Speech Voice Reader“. Die Usability ist subjektiv zwar schlechter als bei der nativen Edge-Funktion, da man das Dokument erst hochladen muss (nebst Hinweis, dass es nicht wirklich hochgeladen, sondern nur zum Vorlesen verarbeitet wird). Beim Vorlesen scheint es mir qualitativ ähnlich zu Edge zu sein. Auf meinem Linux-Mint-System klang die Stimme sehr viel roboterhafter als auf Windows, aber ich gehe davon aus, dass das daran liegt, dass ich mich noch nicht damit befasst habe, Sprachpakete zu installieren.

Fazit

Mit diesem kurzen Beitrag erhoffe ich mir, einen Anstoß auch für mich selbst geschaffen zu haben, Assistive Technology besser kennenzulernen. Immerhin haben Text to Speech Programme nicht nur Nutzen für Personen mit Beeinträchtigung, sondern auch für diejenigen, die Inhalte besser durch Vorlesen erfassen. Analog zu Hörbüchern oder Podcasts kann man sich damit nämlich prima alles Mögliche vorlesen lassen.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
Stefan

Update

Lieber Leserinnen und Leser,

ich bedauere, dass seit dem letzten Post soviel Zeit vergangen ist und bitte um Entschuldigung dafür. Grund war hauptsächlich suboptimales Zeitmanagement, das will ich in Zukunft abstellen. Nun aber zum Inhaltlichen. Ich möchte diesen Beitrag in mehrere Bereiche aufteilen. Zunächst möchte ich den Stand meiner Literaturrecherche kurz zusammenfassen. Anschließend werde ich berichten, wie sich mein Erstkontakt mit den WCAG-Guidelines gestaltet hat. Da ich im Zusammenhang mit den WCAG-Guidelines auch technisch oberflächlich experimentiert habe, möchte ich auch selbiges beschreiben.

Literaturrecherche

Tatsächlich habe ich aktuell zur Literaturrecherche nichts für Fachkundige Neues zu berichten, aber ich möchte den Stand trotzdem kurz festhalten. Seit dem letzten Post habe ich dankenswerterweise Zugang zur Zotero-Datenbank der Forschungsgruppe erhalten, der Sven Bittenbinder und Fabiano Pinatti angehören. Diese Datenbank umfasst über 350 Artikel, die ich hinsichtlich meines Themas sichten werde. Einige, die mir interessant erscheinen, habe ich schon heruntergeladen. Sobald ich sie eingehend gelesen habe, werde ich berichten.

WCAG

Ich habe mich zu Beginn der Woche entschlossen, mich nun mit den WCAG-Guidelines zu befassen. Mein aktuelles Ziel ist, mir einen groben Überblick zu verschaffen, was genau alles von WCAG abgedeckt wird bzw. was alles bei der Umsetzung zu bedenken ist. Deswegen habe ich mich entschieden, die Inhalte zunächst von vorne nach hinten durchzuarbeiten.

Zugegebenermaßen habe ich mich zu Beginn etwas schwer getan mit dem Seitenlayout. Es ist meines Erachtens viel cleaner als ein klassischer Stackoverflow-Thread, aber von der Strukturierung her für mich ungewohnt. Allerdings konnte ich mich gut daran gewöhnen. Positiv hervorheben möchte ich, dass sehr viele Begriffe zu Definitionen und Beschreibungen verlinkt sind, das erleichtert das Verständnis enorm. Auch werden zu jedem der Erfolgskriterien Beispiele bereitgestellt, bei Gelegenheit auch mit HTML- und CSS-Code.

Auf der inhaltlichen Ebene setzt sich fort, was ich in vorangegangenen Blogeinträgen bereits schrieb: Der Sinn der Kriterien erschließt sich spätestens nach kurzem Nachdenken, aber der Einbezug erfordert Perspektiven, die mir bislang völlig abgegangen sind. Ich bin froh, dass ich mit den Themenfeldern in Kontakt komme, da das aus meiner Sicht einen exorbitanten Zugewinn darstellt. Zwei Punkte möchte ich beispielhaft anführen:

  • Alternativtexte: Audio- und Video-Inhalte sollten durch Texte ergänzt werden, die vom Inhalt her äquivalent sind
  • Steuerungs- und Eingabeelemente als auch ihr Zweck sollten klar gekennzeichnet werden, um besser von Screenreadern erfasst werden zu können

Technisches

Je länger ich in den WCAG-Guidelines gelesen habe, desto mehr hat es mich gereizt, Assistive Technology selbst auszuprobieren. Da es mir das präsenteste Tool zu sein scheint, habe ich mich für Screenreader entschieden. Privat nutze ich aktuell Linux Mint 20.3 mit Cinnamon-Desktop, was dankenswerterweise einen Screenreader bei der Installation mitbringt. Bisheriger Recherche nach scheint es der Orca Screenreader zu sein. Die Stimme klang sehr roboterhaft, lies sich aber immerhin etwas verändern durch Auswahl des Synthesizers. Nach kurzem Ausprobieren war ich allerdings enttäuscht, dass zwar die Elemente eines geöffneten Programms vorgelesen werden (sowohl Art als auch Titel), aber beispielsweise die Elemente des Startmenüs nicht sowie auch der Browser komplett nicht. Ich vermute, dass mehr Konfiguration erforderlich ist, befinde mich diesbezüglich aktuell aber in der Recherche. Ich habe dazu auf Twitter eine Frage nach Empfehlungen veröffentlicht und bereits Resonanz erhalten, die ich aktuell sichte.

Ich danke jeder Leserin und jedem Leser für die investierte Zeit und bin immer offen für Feedback und Anmerkungen. Ich wünsche frohe Weihnachten und schöne Feiertage!

Stefan

Aktueller Stand

Liebe Leserinnen und Leser,

leider kann ich diese Woche nicht viel berichten, da ich wenig Zeit gefunden habe, meiner Recherche nachzugehen. Damit meine Leserschaft trotzdem nicht leer ausgeht, möchte ich meine aktuelle Sicht auf Web Accessibility festhalten und meine geplante Vorgehensweise für die Recherche etwas ausdifferenzieren.

Meine Sicht auf Web Accessibility

Ich möchte diesen Blogeintrag nutzen, um meine aktuelle Sicht auf Web Accessibilitiy sowie Motivationen und Wurzeln zu beschreiben, derer ich mir bewusst bin. Lange war meine Sicht auf Berücksichtigung von Beeinträchtigten zugegebenermaßen, dass es nur wenige betrifft und daher die Notwendigkeit nicht groß ist. Meines Erachtens nach ist eine vorrangige Ursache für diese Einstellung, dass ich in meinem bisherigen Leben nahezu nie Kontakt zu Menschen mit Beeinträchtigungen hatte.

Geändert hat sich das meiner Erinnerung nach erst durch den Kurznachrichtendienst Twitter. Ich begann vor ca. 2 Jahren, auf Twitter aktiver zu sein. Dadurch, dass ich dort Menschen folgte, die ich interessant oder sympathisch fand, begegneten mir immer öfter andere Standpunkte und Sichtweisen als meine eigenen. Gelegentlich sah ich Texte, die Personen mit Beeinträchtigung verfasst hatten, die sehr simpel und anschaulich schilderten, welchen Hürden sie sich im Alltag gegenübersahen – bspw. Treppen aus der Sicht einer Rollstuhlfahrerin.

Meine Ansicht veränderte sich langsam, aber stetig dahingehend, dass offenbar doch die Notwendigkeit zur Veränderung besteht, wenn Menschen durch nicht zwingend erforderliche Umstände an der Teilhabe am Leben gehindert werden. Bis ich auf die Möglichkeit aufmerksam wurde, meine Abschlussarbeit über barrierefreie Webinhalte zu schreiben, habe ich bei Barrierefreiheit jedoch lediglich an analoge Themen gedacht.

Die Herausforderung bestand für mich zu Beginn darin, mir überhaupt bewusst zu machen, welche Dinge Einfluss auf barrierefreie Webinhalte haben könnten. Ganz praktisch können das Dinge sein wie veränderbare Schriftgröße, kontrastreiche Farbgestaltung oder ausreichend große Bedienelemente. Beim Durchdenken gelangte ich relativ schnell zu der Ansicht, dass die barrierefreie Gestaltung von Webinhalten nahezu zwangsläufig an einigen Stellen auch die Bedienbarkeit für Menschen ohne Beeinträchtigung verbessern könnte.

Zusammenfassend: Mir war lange die Relevanz des Themas nicht bewusst, was sich erst durch die Konfrontation mit Betroffenen auf Twitter geändert hat. Einflussgrößen auf meine Position zu dem Thema sind meines Erachtens gewesen:

  • (Mangelnder) Kontakt mit Betroffenen
  • Nutzen von Barrierefreiheit für Menschen ohne Beeinträchtigung
  • Machbarkeit der Umsetzung von Barrierefreiheit

Geplante Vorgehensweise bei der Recherche

Abschließend möchte ich noch einige kurze Worte darüber verlieren, wie ich mir aktuell die Recherche für meine Master-Projektarbeit vorstelle. Ich möchte die Fokuspunkte stichpunktartig aufführen und begründen.

  • Was ist Web Accessibility?
    Ich halte es für unerlässlich, eine Definition einzuführen, von der die restliche Arbeit ausgeht. Das bedingt natürlich, zu recherchieren, welche Definitionen bereits existieren und wie gut diese sind.
  • Wie ist die Entwicklung des Themengebietes vonstatten gegangen?
    Hierunter stelle ich mir eine kurze Historie vor, um die Einflussfaktoren verstehen zu können, die für den heutigen Status Quo verantwortlich sind.
  • Welche Standards gibt es und wie weit sind diese verbreitet?
    Dies wird überleiten in die Einarbeitung, wie man barrierefreie Webinhalte programmiert.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine frohe Vorweihnachtszeit. Bleibt gesund!

Liebe Grüße
Stefan

Lernen, barrierefreie Inhalte zu coden: Recherche

Liebe Leserinnen und Leser,

auch dieser Blogeintrag erscheint etwas verspätet, dafür möchte ich um Entschuldigung bitten. Ich erwäge, testweise anstatt Freitags in Zukunft Samstags zu posten – man wird sehen, wie das funktioniert. Nun aber zum Inhalt:

Geschehnisse

Am Donnerstag, 11.11.2021, habe ich ein sehr konstruktives Gespräch mit meinen zwei Betreuern seitens der Universität Siegen gehabt. Wir haben uns über den bisherigen Fortschritt des Exposés ausgetauscht. Ich habe danach noch einige Umbauten und Präzisierungen vorgenommen. Die finale Version des Exposés kann hier eingesehen werden. Da ich das Dokument auf Englisch verfasst habe, beinhalteten die Änderungen u.A. Verbesserungen bei Begrifflichkeiten. Im Exposé ist auch der Zeitplan enthalten, den ich hier stichpunktartig anführen möchte:

  • Literaturrecherche: KW 46 und 47
  • Durcharbeiten der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG): KW 48 – KW 52
  • Verfassen des Aufschriebs: KW 1 – 4
  • Wöchentliches Bloggen: Während des kompletten Zeitraums

Die Betreuung wird in Zusammenarbeit der Lehrstühle IT für die Alternde Gesellschaft sowie Computerunterstützte Gruppenarbeit und Soziale Medien erfolgen.

In der vergangenen Woche habe ich wenig an Recherche betrieben, da ich anderweitig ausgelastet war. Allerdings bin ich trotzdem auf etwas gestoßen, das ich kurz schildern möchte.

Definition Web Accessibility

Meine erste Idee bezüglich der Recherche war: Was ist überhaupt Web Accessibility? So simpel die Fragestellung sein mag, erscheint mir das ein guter Anfang, um meine eigene potentiell vorhandene Voreingenommenheit anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse zu reflektieren und ggf. zu revidieren.

Bei der Recherche weckte insbesondere die Publikation von Helen Petrie, Andreas Savva und Christopher Power (Petrie et al., 2015) mein Interesse. Die Autor*innen sammeln Definitionen des Begriffs „Web Accessibility“ aus Publikationen, Büchern und Web-Ressourcen und analysieren die gefundenen Texte. Daraus extrahieren sie sechs Kernkonzepte, namentlich:

  1. „all users / users regardless of capability / users with disabilities“
  2. „can access / interact with / use websites“
  3. „with usability characteristics“
  4. „using mainstream / assistive technologies“
  5. „design and development processes“
  6. „in specific contexts of use“

Die Punkte finden sich in absteigender Häufigkeit in den analysierten Textstellen, d.h. der erste Punkt wird am häufigsten verwendet. Die Autor*innen verleihen ihrer Überraschung darüber Ausdruck, dass zwar überall Klarheit über die Notwendigkeit zur Verwendbarkeit von Web-Content für Menschen mit Behinderung oder Einschränkung herrscht, dass aber wenig Fokus auf Möglichkeiten zum Gestalten, Beitragen und Verändern des Web-Contents liegt. Des Weiteren wird das Nichteinbeziehen von älteren Menschen kritisiert. Sie schlagen aufgrund ihrer Analyse folgende Definition vor:

all people, particularly disabled and older people, can use websites in a range of contexts of use, including mainstream and assistive technologies; to achieve this, websites need to be designed and developed to support usability across these contexts

Petrie et al. (2015), Seite 1 und 3

Reflektion

Die Definition von Web Accessibility beeinflusst meiner Meinung nach ganz maßgeblich, welche Ziele man sich beim Einbezug selbiger setzt. Bislang war mir nie bewusst, dass es Web-Content gibt, der für Menschen mit Behinderung oder Einschränkung schwer oder nicht zugänglich ist. Das Auseinandersetzen mit Definitionen verändert für mich ganz wesentlich den Blickwinkel. Natürlich ist es unbequem und anstrengend, sich aus gewohnten Bahnen und Denkmustern herauszubewegen, aber wenn der Gegenwert ist, dass sehr viel mehr Menschen das Internet als wesentliche Kommunikationstechnologie unseres Jahrhunderts mitgestalten können, ist es das meines Erachtens mehr als wert.

Allen, die bis hierher gelesen haben, danke ich von Herzen für die Aufmerksamkeit. Ich bin jederzeit offen für Verbesserungsvorschläge, Kritik und Denkanstöße.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein schönes und entspanntes Wochenende. Liebe Grüße,
Stefan

Literaturliste

Petrie et al. (2015): „Towards a Unified Definition of Web Accessibility“ von Helen Petrie, Andreas Savva und Christopher Power, veröffentlicht 2015, Proceedings of the 12th International Web For All Conference, Article 35, Pages 1 – 13

Über auto-ethnographische Studien

Liebe Leserinnen und Leser,

ich habe leider versäumt, vergangenen Freitag einen Blogpost hochzuladen. Dafür bitte ich um Entschuldigung.

Mittlerweile habe ich die mir empfohlenen Paper über auto-ethnographische Studien gelesen und möchte hier eine kurze Übersicht geben. Soweit ich das bisher nachvollziehen konnte, gibt es innerhalb des Feldes auto-ethnographischer Studien zwei sich deutlich unterscheidende Ansätze, die ich kurz darstellen möchte.

Emotional (Ansatz von Ellis und Bochner)

Laut der Darstellung nahezu aller von mir gelesenen Artikel, insbesondere aber Anderson (2006) und Walford (2021), sind Carolyn Ellis und Artur Bochner wegweisend für viele Veröffentlichungen gewesen. Ihre Ziele sind, dass der Autor zentral als Geschichtenerzähler auftritt mit dem Ziel, beim Leser Emotionen zu wecken und die wissenschaftliche Analyse in den Hintergrund zu stellen. Der Wert eines Beitrages besteht demgemäß in einer Darstellung der Innensicht des Autors.

Anderson bezeichnet dies als „evocative autoethnography“ und differenziert es von der „analytic autoethnography“ und argumentiert sachlich und ausführlich für die Vorzüge letzterer gegenüber ersterer. Walford geht noch weiter und kritisiert den wissenschaftlichen Wert, den er in der Erweiterung bzw. neuen Beiträgen zum Wissen sieht, als beim Ansatz von Ellis und Bochner als nicht vorhanden. Er führt ein anschauliches Beispiel an, indem er Autor-zentrierte Autoethnographie mit Urlaubsfotos vergleicht. Den Ansatz von Ellis und Bochner vergleicht er mit Selfies – im Hintergrund mag noch das Motiv erkennbar sein, wird aber mehr oder minder vom Gesicht des Autors verdeckt.

Klassisch / analytisch

Der dem gegenüberstehende Ansatz wird je nach Autor als klassisch (Walford) oder analytisch (Anderson) bezeichnet. Er besteht darin, anhand der eigenen Erfahrungen, Mitgliedschaft in einer Gruppe, Kultur oder Subkultur, eben diese zu beschreiben. Gewissermaßen nutzt der Wissenschaftler sich selbst, um sonst nicht darstellbare Einblicke zu geben. Der Fokus liegt hier deutlich auf Sachlichkeit, Objektivität und, wie in anderen klassischen wissenschaftlichen Methoden auch, auf der Generierung von Daten und deren Analyse.

Persönliche Meinung

Als erstes Paper habe ich die Veröffentlichung von Anderson gelesen. Darin stellt er zunächst evocative autoethnography dar und ich war zugegebenermaßen etwas irritiert bis schockiert, wie (aus meiner Sicht) offensichtlich damit anderswo strikt geltende wissenschaftliche Prinzipien verletzt wurden. Ich versuchte, mich damit anzufreunden, tat mich aber schwer. Das änderte sich nicht, als ich die Paper von Ellis (2008) und Roth (2009) las, die sehr stringent jene Richtung in den Vordergrund stellten. Auffällig fand ich die Argumentationsweise, die mich aufgrund des Fokus auf marginalisierten Gruppen durchaus an die ein oder andere Kontroverse auf Twitter erinnerte.

Beim Lesen des Artikels von Walford stellte sich bei mir jedoch ein befreiendes Gefühl ein, weil ich mich darin wiederfand, mit den gleichen und darüber hinausgehenden Kritikpunkten, die ich selbst hatte. Dankenswerterweise beschreibt der Autor auch präzise anhand von Beispielen, worin er (keinen) wissenschaftlichen Nutzen sieht und warum (nicht).

Nächster Schritt

Für heute habe ich geplant, das erste meiner zwei Exposés voranzubringen und idealerweise fertigzustellen. Darin werden auf jeden Fall die Erkenntnisse aus den oben beschriebenen Papern einfließen.

Literaturliste

Anderson (2006): „Analytic Autoethnography“ von Leon Anderson, veröffentlicht 2006, Journal of Contemporary Ethnography, Volume 35, Number 4, Seiten 373 – 395

Atkinson (2006): „Rescuing Autoethnography“ von Paul Atkinson, veröffentlicht 2006, Journal of Contemporary Ethnography, Volume 35, Number 4, Seiten 400 – 404

Denshire (2014): „On auto-ethnography“ von Sally Denshire, veröffentlicht 2014, Current Sociology Review, Volume 62, Number 6, Seiten 831 – 850

Ellis (2008): „Autoethnography“ von Carolyn S. Ellis, veröffentlicht 2008, in: The Sage Encyclopedia of Qualitative Research, Seiten 48 – 51

Atkinson (2006): „Rescuing Autoethnography“ von Paul Atkinson, veröffentlicht 2006, Journal of Contemporary Ethnography, Volume 35, Number 4, Seiten 400 – 404

Roth (2009): „Auto/Ethnography and the Question of Ethics“ von Wolff-Michael Roth, veröffentlicht 2009, Forum: Qualitative Social Research, Volume 10, Number 1, Artikel 38

Atkinson (2006): „Rescuing Autoethnography“ von Paul Atkinson, veröffentlicht 2006, Journal of Contemporary Ethnography, Volume 35, Number 4, Seiten 400 – 404

Walford (2021): „What is worthwhile auto-ethnography? Research in the age of the selfie“ von Geoffrey Walford, veröffentlicht 2021, Ethnography and Education, Volume 16, Number 1, Seiten 31 – 43

Recherche, Part II

Guten Tag liebe Leserinnen und Leser,

da bin ich wieder – zugegebenermaßen heute etwas später. Im letzten Beitrag habe ich geschrieben, dass ich mich mit der Recherche beschäftige. Nach meiner bisherigen Lektüre kann ich, denke ich, behaupten, dass es durchaus eine große Anzahl an Veröffentlichungen zum Thema Web Accessibility gibt, was mich freut. Allerdings scheint der überwiegende Großteil davon jeweils einen sehr engen Fokus zu haben. Das ist für mich nachvollziehbar, aber dennoch etwas schade. Die meiste Forschung zu diesem Thema scheint qualitativer Natur zu sein, d.h. man analysiert z.B. eine kleine Anzahl geführter Interviews in der Tiefe. Ich glaube, dass daneben auch Raum für quantitative Forschung ist, d.h. Analysen, die auf einer großen Datenbasis aufbauen. Beispielhaft möchte ich im jetzt drei Beispiele meiner Recherche kurz erläutern.

Web Accessibility Analysis von Sonia I. Marino und Pedro L. Alfonzo

Veröffentlichungsdaten: „A Web Accessibility Empirical Analysis, A Case Study“ von Sonia I. Marino und Pedro L. Alfonzo, veröffentlicht 2021, International Journal of Electronics Communication and COmputer Engineering, Volume 11, Issue 6, Seiten 76 – 82

Soweit mir bekannt, darf ich den Artikel nicht zugänglich machen, daher sei auf die genannten Daten zur Recherche verwiesen. Der Artikel ist ein Beispiel für quantitative Forschung, allerdings mit einer (meines Erachtens) vergleichsweise kleinen Datenbasis. Die Autoren haben eine Analyse von Websiten auf die Erfüllung bzw. Nichterfüllung definierter Kriterien hinsichtlich Barrierefreiheit durchgeführt. Die Kriterien wurden definiert anhand der Web Content Accessibility Guidelines, Version 2.0 (WCAG 2.0). Das erscheint mir ein absolut valides Vorgehen zu sein. Untersucht werden acht Websites, bzw. präziser: deren Homepages. Kritisieren möchte ich hier, dass weder die untersuchten Websites genannt werden, noch dass erklärt wird, warum gerade diese Anzahl und diese Seiten ausgewählt wurden. Das stellt aus meiner Sicht einen überaus lästigen Mangel an dieser Veröffentlichung dar.

Norwegische Software-Entwickler und Web-Accessibility von Eskil Hognestad

Veröffentlichungsdaten: „Norwegian Software Developers and Web Accessibility“ von Eskil Hognestad, veröffentlich 2021, Master-Arbeit an der Norwegian University of Science and Technology

Die Master-Arbeit von Eskil Hognestad ist ein Beispiel für die oben angesprochene qualitative Forschung. Die Arbeit basiert auf Interviews, die mit verschiedenen norwegischen Software-Entwicklern geführt wurden. Die Beschränkung auf Norwegen erklärt sich allem Anschein nach dadurch, dass die Arbeit an einer norwegischen Universität verfasst wurde und es schwierig erscheint, im Rahmen einer Master-Arbeit Budget für eine breiter angelegte Studie anzuwerben. Meiner Ansicht nach legt die Studie gut und übersichtlich die Forschungsfragen dar und führt eine nachvollziehbare Analyse der Aussagen durch.

Analytische Auto-Ethnographie

Veröffentlichungsdaten: „Analytic Autoethnography“ von Leon Anderson, veröffentlicht 2006, Journal of Contemporary Ethnography, Volume 35, Number 4, Seiten 373 – 395

Neben der Literatur zur Web Accessibility beschäftige ich mich auch mit Veröffentlichungen zum Thema auto-ethnographische Studien, da ich selbst eine solche durchführe. Der genannte Artikel stellt meines Erachtens eine Analyse bestehender Strömungen im Forschungsfeld dar und erläutert Vor- und Nachteile verschiedener Ansätze. Da ich mich bisher sehr mit den Naturwissenschaften und verwandten Feldern beschäftigt habe, tue ich mich mit einigen der Konzepte etwas schwer. Beispielsweise wird ein Ansatz damit beschrieben, dass es das Ziel ist, im Leser Emotionen zu wecken. Das erscheint mir etwas widersinnig, weil meines Erachtens das Ziel von Wissenschaft die Gewinnung von Fakten und Wissen sein sollte und nicht Emotionen.

Fazit

Bei diesen drei kurzen Darstellungen und meinen Meinungen dazu möchte ich es heute belassen. Ich hoffe, in Zukunft etwas ausgefeiltere und tiefere Sätze liefern zu können. Kommentare zu jeder meiner Äußerungen hier sind gerne gesehen.

Ein schönes Wochenende =)
Stefan

Recherche und Exposé

Liebe Leserinnen und Leser,

im letzten Beitrag habe ich den Auftakt des Projektes Masterarbeit angekündigt. Seitdem habe ich Recherche zum Thema Web Accessibility (man könnte es etwas frei mit „Barrierefreiheit von Web-Inhalten“ paraphrasieren) betrieben. Zunächst war die Recherche äußerst unbefriedigend, da sich lediglich eine Handvoll Artikel aus dem Zeitraum 2002 – 2012 fanden, deren Aktualität für die Darstellung des Status quo natürlich nicht gegeben ist.

Gefunden habe ich tatsächlich einen Online-Artikel von statista, der, verkürzt gesagt, zu dem Schluss kommt, dass Barrierefreiheit im Internet zu kurz kommt. Nach Änderung der Recherchemethode am gestrigen Donnerstag habe ich dann doch noch eine große Anzahl wissenschaftlicher Artikel finden können, mit deren Sichtung ich mich aktuell beschäftige.

Auf der Haben-Seite steht aktuell Work in Progress eines Exposés für die Master-Projektarbeit. Interessierte Leser können das Dokument hier gern ansehen.

Bleibt gesund und habt ein schönes Wochenende!

Liebe Grüße
Stefan

Master-Projektarbeit

Guten Morgen allerseits,

ich hoffe, es geht jedem Leser gut. Dieser Post wird ein Kick-off-Post für ein neues Projekt, wie der Titel bereits vermuten lässt. Zwecks Vorbereitung auf die anschließende Masterarbeit werde ich meine Master-Projektarbeit darüber schreiben, wie ich das Programmieren von barrierefreien Websites lerne.

Die Arbeit werde ich in Form einer auto-ethnographischen Studie verfassen, d.h. ich werde regelmäßig Blogposts veröffentlichen, um meine eigene Entwicklung zu verfolgen, meine Eindrücke festzuhalten und zu reflektieren. Daher sind auch Kommentare jederzeit gern willkommen. Ich hoffe, es zu schaffen, 1x wöchentlich einen Update-Post zu verfassen. Zunächst werde ich die Posts auf Deutsch veröffentlichen, ob ich sie auf Englisch übersetze, überlege ich zurzeit noch. Zwecks Nachvollziehbarkeit werde ich eine Möglichkeit suchen, unter jedem Post eine Versionshistorie anzuzeigen, sollte ich nachträglich etwas abändern.

Ich wünsche ein schönes und erholsames Wochenende.
Stefan