Selbstreflektierendes Schreiben

Liebe Leserinnen und Leser,

ich befinde mich nun in den Endzügen meiner Master-Projektarbeit. Ich möchte mir hier einmal eine Sache von der Seele schreiben, die mich aktuell beschäftigt. Texte verfassen sehe ich als positive Tätigkeit, gewissermaßen als einen Teil meines Selbst in Schriftform. Manchmal fällt es schwerer, manchmal leichter. Als Teil meiner Master-Projektarbeit verfasse ich nun tatsächlich Texte über mich selbst. Zu Beginn hat es sich seltsam angefühlt, aber mit zunehmender Übung ging es leichter von der Hand. Aktuell bin ich aber an einem Punkt, wo ich mich gewissermaßen leer fühle – ich habe keine Inhalte (mehr), die ich für wichtig genug halte, um sie zu verschriftlichen. Ich hoffe, dass sich das mit dem Übergang zur Masterarbeit wieder bessert, und vor allem, dass ich dann mehr über Technisches schreiben kann. Bis dahin bitte ich um Nachsicht.

Liebe Grüße
Stefan

Endspurt

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mein Plan ist, Ende kommender Woche meine Master-Projektarbeit abzugeben. Dazu ist es notwendig, die Arbeit substantiell in dieser Woche fertigzustellen, damit im Laufe der kommenden Woche Zeit ist für das Korrekturlesen, Fehlerbehebung und Feinschliff. Aktuell arbeite ich am Kernteil der Arbeit, der inhaltlichen Analyse meiner Blogposts. Davor habe ich eine kurze Metadaten-Analyse geschrieben und in diesem Zuge die Posts-Häufigkeit pro Kalenderwoche und die Wortanzahl pro Post grafisch dargestellt. Im Gespräch mit Sven haben wir den nächsten Betreuungstermin auf kommende Woche Dienstag festgelegt. Zurzeit sind meine Nerven durch permanenten vormittäglichen Baulärm im Haus recht angespannt, daher fällt mir das konzentrierte Schreiben aktuell etwas schwer.

Ich sehe der Beendigung der Master-Projektarbeit mit großer Vorfreude auf die Masterarbeit entgegen. Wie bereits in einigen vergangengen Blogposts erwähnt, habe ich auch für diese schon die ein oder andere Idee, die den Rahmen der Master-Projektarbeit gesprengt hätte und hoffe, dass ich dann später möglichst viel davon möglichst zügig umsetzen kann.

Ich habe, zugegebenermaßen etwas vorgreifend, schon über das Thema Particitpatory Design nachgedacht, welches mir schon in einigen Papers begegnet ist. Es wird wichtig sein, im Rahmen der Masterarbeit diese Technik anzuwenden: In Zusammenarbeit mit den Testpersonen zu arbeiten und deren Wünsche, Ideen und Vorschläge einzubeziehen und nicht zu übergehen. Ich hoffe, dass mir das adäquat und zu aller Zufriedenheit gelingt.

Liebe Grüße und bleibt gesund,
Stefan

Naming Convention

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

heute möchte ich über ein kontroverses Thema schreiben. Ich habe auf Twitter die Frage gestellt, ob man zwischen „behindert“ und „beeinträchtigt“ differenziert und wenn ja, wie (Link). Die Frage löste ein für mich überraschend großes Maß an Feedback aus. Ich habe dadurch eine Menge von Input bekommen, den ich zum Teil auch vorher nicht bedacht hatte. Eine Auswahl davon möchte ich hier (hoffentlich) übersichtlich darstellen.

Es gibt dort u.a. die juristische Perspektive. Hier sind die Begriffe nicht deckungsgleich, d.h. eine Behinderung ist immer eine Beeinträchtigung, aber eine Beeinträchtigung nicht immer eine Behinderung. Eine gesetzliche Definition ist die folgende:

„Menschen mit Behinderungen im Sinne dieses Gesetzes sind Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können. Als langfristig gilt ein Zeitraum, der mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate andauert.“

§3 Behindertengleichstellungsgesetz, Stand 02.06.2021

Neben der juristischen Perspektive haben Personen auf meine Frage noch verschiedene andere Intentionen beschrieben. Da „behindert“ von, hauptsächlich sich selbst als nicht betroffen beschreibenden Menschen, als beleidigend empfunden wird, werden verschiedene Ausweichworte bzw. -prinzipien genutzt wie bspw. Kinder als beeinträchtigt zu bezeichnen und Erwachsene als behindert.

Am Interessantesten waren jedoch Reaktionen von sich selbst als behindert beschreibende Menschen. Selbige bestehen darauf, als behindert oder Mensch mit Behinderung bezeichnet zu werden, da das den Sachstand beschreibt. Das Ziel hier ist, dass dieser Begriff nicht mehr als beleidigend verstanden bzw. verwendet wird. In diesem Begriff wurde für die Ausweichversuche der Begriff „Euphemismustretmühle“ gebraucht, der mir vorher unbekannt war, den ich aber interessant und mindestens treffend finde.

Ich selbst werde es für meine wissenschaftlichen Arbeiten so handhaben, dass ich von Menschen mit Behinderung schreibe, es sei denn, es ergibt sich die definitorische Notwendigkeit, andere Begrifflichkeiten zu benutzen.

Liebe Grüße,
Stefan

Beginn des Schreibvorgangs, erste Eindrücke

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in dieser Woche habe ich damit begonnen, den Aufschrieb meiner Master-Projektarbeit zu erstellen. Mein persönliches Abgabeziel dafür ist Ende Februar 2022. In diesem Beitrag möchte ich kurz meinen Gesamteindruck der WCAG 2.1 schildern und anschließend bisherige Rückmeldungen zum begonnen Aufschrieb wiedergeben und selbigen zur Diskussion stellen.

Gesamteindruck WCAG 2.1

Ich habe das Durcharbeiten von WCAG 2.1 kürzlich abgeschlossen und möchte meinen Gesamteindruck zusammenfassen. Wie in diversen verangenen Blogeinträgen bereits erwähnt, empfinde ich ein gewisses Maß an Verblüffung darüber, dass die Inhalte der Richtlinien sehr logisch und einfach nachvollziehbar sind, aber auf Perspektiven basieren, die zumindest mir bislang nahezu gänzlich fehlten.

Abgesehen davon möchte ich den Abschnitt 5 hervorheben, der Konformitäts-Statements betrifft. Inhaltlich besagt er, dass eine Website auch ohne Konformitäts-Statement die WCAG-Richtlinien befolgen kann, aber dass, wenn ein solches Statement für eine Website publiziert wird, dann sind diverse Dinge einzuhalten. Ohne Überraschung lässt sich sagen, dass viele der Anforderungen sich mit den Anforderungen an barrierefreie Webinhalte insgesamt decken: Maschinenlesbarkeit, sauberes Ausweisen von (potentiell Dritt-)Inhalten, die möglicherweise nicht konform sind und nicht vom Autor der Seite beinflusst werden können etc.

Als Fazit möchte ich sagen, dass ich die Richtlinie für sehr wichtig und (meiner unmaßgeblichen Meinung nach) richtig halte, was barrierefreie Webinhalte betrifft und mich sehr darauf freue, sie nach besten Kräften in meiner Masterarbeit umzusetzen.

Beginn des Schreibvorgangs

Zu Beginn: Wer möchte, kann den heutigen Stand meines Schriftstückes hier nachlesen. Ich bin immer offen für Rückmeldungen, Kritik oder Kommentare und freue mich über jede Leserin und jeden Leser =)

Aller Anfang ist schwer, sagt ein Sprichwort, und meines Erachtens trifft das insbesondere auf den ersten Satz einer wissenschaftlichen Arbeit zu. Ich habe mit der Einleitung begonnen, um einen Einstieg zu finden, den ich später bei Bedarf vergleichsweise leicht revidieren kann. Intention des bisherigen Texts ist es, Barrierefreiheit als Großes als Aufhänger zu nehmen und dann reinzuzoomen auf die Web-Barrierefreiheit. Ich habe mich bereits mit einigen Menschen darüber ausgetauscht und möchte an dieser Stelle zuvorderst meiner Frau Sarah für einige zweifellos bessere Formulierungsvorschläge danken. Bettina Frank brachte mich durch einen Einwurf zum Nachdenken, ob es sich nicht sogar lohnt, einen Exkurs darüber einzubauen, die Barrierefreiheit verschiedener Betriebssysteme (Apple iOS, Microsoft Windows, potentiell einige der wichtigsten Linux-Derivate wie z.B. Linux Mint, Ubuntu, Debian) zu vergleichen. Darin bestärkt wurde ich durch weitere gute Vorschläge von Tuktuk (an dieser Stelle eine kurze Warnung an den geneigten Leser vor dem Anklicken des Links: das Profilbild hat die Intention, eine Praline darzustellen) und M. Ich plane, das im nächsten Betreuergespräch vorzuschlagen.

Dankeschön

Neben den bisher genannten möchte ich die Gelegenheit nutzen, um mich bei meinem Vater zu bedanken, dessen Kommentare sehr motivierend und aufbauend sind und für investierte Lesezeit bei Narkosetante.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein erholsames Wochenende und Gesundheit.

Liebe Grüße,
Stefan

Literatur-Analyse und Eindrücke

Liebe Leserinnen und Leser,

heute möchte ich den Fokus auf ein Paper legen, mit welchem ich mich seit dem letzten Post intensiver beschäftigt habe. Außerdem möchte ich meine Gedanken zu einer Thematik darlegen, die als Erstes in einem Gespräch Ende Dezember aufkam, aber für mich aktuell in den Vordergrund gerückt ist.

Literatur-Analyse

Mit dem Ziel, mir einen groben Überblick über das Feld der Barrierefreiheitsforschung zu verschaffen, habe ich mich auf die Suche nach einer aktuellen und qualitativ guten Literatur-Analyse begeben. Fündig geworden bin ich beim Paper von Mack et al. (2021). Die Autoren werten Artikel von zwei großen Konferenzen des Fachgebietes aus, nämlich der Conference on Human Factors in Computing Systems (CHI) und der ACM Conference on Accessible Computing (ASSETS). Die Auswertung ist unterteilt in zwei überlappende Zeiträume: 2010 – 2019 und 1994 – 2019. In der den kürzeren Zeitraum betreffende Analyse wurden 506 Veröffentlichungen bearbeitet, während die Analyse des Zeitraums 1994 – 2019 836 Veröffentlichungen beinhaltete. Wesentliche Erkenntnisse, die mir subjektiv neu waren:

  • Die Forschung im Bereich Barrierefreiheit hat einen starken Fokus auf Menschen mit Sehbeeinträchtigung oder -behinderung (engl. Blind and Low Vision People, kurz BLV)
  • Der Einbezug von Begleitpersonen bzw. Repräsentanten sowie Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmern ohne Behinderung kann Erkenntnisgewinn bieten, aber auch durchaus heikel bis nachteilig sein
  • Die Differenzierung zwischen medizinischem und sozialem Modell

Letzteres möchte ich kurz detaillierter ausführen. Insbesondere gestolpert bin ich über die Phrase „identify as disabled“ auf Seite 4 des Papers. Ich habe mich anhand dieser Phrase gefragt, ob es in irgendeiner Art eine normative Instanz oder eine Richtlinie gibt, die den Status eines Menschen definiert, oder ob das ein jeder mit sich selbst ausmacht. Im Betreuungsgespräch am 20.1.2022 mit Sven Bittenbinder habe ich diese Frage gestellt. Sven hat mir dann erklärt, dass das im medizinischen Modell zwar ein Arzt entscheidet, aber dass im sozialen Modell die Behinderung als durch das Umfeld gegeben erachtet wird, bspw. wenn eine Person mit Gehbehinderung vor einer Treppe steht. Das hat mir geholfen, den Perspektivwechsel zu durchdenken.

Persönliche Eindrücke

Neben der Literatur-Analyse ist mir ein, meiner subjektiven Meinung nach, eher schwer fassbares Thema durch den Kopf gegangen. Im weiter oben bereits erwähnten Gespräch mit Sven kam auch das Thema auf, dass Personen mit Beeinträchtigung sich übergangen fühlen, wenn etwas für sie designed wird ohne ihre Beteiligung. Dass das ein Thema werden könnte, dachte ich zum ersten Mal, als Fabiano Pinatti mir im Betreuungsgespräch am 23.12.2021 Kritik zu meinen Blogpostings weitergab. Kritisiert wurde, dass der Eindruck entstehe, dass ich als „truthholder“ schreiben würde. Das habe ich so interpretiert, dass die Postings besserwisserisch wirken. Da ich selbst „nur“ durch eine verringerte Sehfähigkeit beeinträchtigt bin, was sich durch eine Brille lösen lässt, fürchte ich, dass ich bei meiner Arbeit unbeabsichtigt Menschen mit anderen oder stärkeren Beeinträchtigungen übergehen könnte. Das hebt für mich die Wichtigkeit des „Participatory Design“-Ansatzes hervor, der vereinfacht gesagt daraus besteht, die Ziel-Nutzer-Gruppe beim Design eines Produktes mit einzubeziehen.

Ich wünsche jeder Leserin und jedem Leser einen guten Start ins neue Jahr und in Anbetracht der aktuellen Lage Gesundheit.

Liebe Grüße,
Stefan

Literatur

Mack et al. (2021): „What do we mean by ‚Accessibility Research‘? – A Literature Survey of Accessibility Papers in CHI and ASSETS from 1994 to 2019“ von Kelly Mack, Emma McDonnell, Dhruv Jain, Lucy Lu Wang, Jon E. Froehlich und Leah Findlater, veröffentlicht 2021, CHI Conference on Human Factors in Computing Systems (CHI ’21)

WCAG-Fortschritt

Liebe Leserinnen und Leser,

ich möchte von meinem zwischenzeitlichen Fortschritt beim Einarbeiten in die WCAG-Guidelines berichten. Zuerst soll ein technischer Teil stehen mit Guidelines, die ich für besonders hervorhebenswert halte, und anschließend ein, zwei persönliche Überlegungen.

Technisches

An erste Stelle setzen möchte ich hier WCAG Success Criterion 2.1. Es steht unterhalb der Anforderung „Operable“, welche das Kaptel 2 in den WCAG Guidelines darstellt. Punkt 2.1 trägt die Überschrift „Keyboard“ und beinhaltet diverse, meiner subjektiven Meinung nach, ausgesprochen angenehme und erstrebenswerte Punkte, u.a.:

  • No Keyboard Trap
    Es ist nicht möglich, sich per Keyboard an einen Punkt oder ein Element der Seite zu navigieren, welches man nicht per Keyboard wieder verlassen kann
  • Charakter Key Shortcuts
    Wenn bestimmte Zeichen mit Sonderfunktionen belegt sind, ist es wahlweise möglich, diese umzubelegen um z.B. Strg oder Alt mit einzubeziehen, die Sonderfunktionen sind nur an bestimmten Elementen aktiv oder man kann sie ganz ausschalten

Des Weiteren aufgefallen ist mir Success Criterion 1.4.10 „Reflow“. Ich gebe zu, ich musste an dieser Stelle erst nachrecherchieren, was mit Reflow genau gemeint ist, aber dankenswerterweise bietet die Webseite hier wie auch bei nahezu allen anderen Punkten Beispiele und Erläuterungen. Vorausgesetzt, ich habe die Inhalte richtig verstanden, besagt das Success Criterion, dass man eine Webseite auf mindestens 400% vergrößern können muss, ohne in mehr als eine Richtung (horizontal / vertikal) scrollen zu müssen. Das betrifft speziell Menschen mit eingeschränkter Sicht, z.B. ältere Menschen.

Persönliche Überlegungen / Nebenkriegsschauplätze

Ich habe mir zwischenzeitlich das Buch „Fit fürs Studium – Statistik“ von Benno Grabinger in der 2. Auflage zugelegt. Ziel ist es, mein spärliches statistisches Wissen auszubauen, da ich denke, dass das auch Vorteile für die statistischen Auswertungen der qualitativen Studie in meiner Masterarbeit hat. Daneben habe ich überlegt, wo Web Accessibility mich persönlich betrifft bzw. wo ich mein Verhalten verbessern könnte. In erster Linie dachte ich hierbei über Bildbeschreibungen nach. In meinen Blogbeiträgen verwende ich zurzeit keine Bilder, aber sollte sich das ändern (was ich für recht wahrscheinlich halte), werde ich darauf achten, solche beizufügen. Nun betreibe ich auf Twitter nicht nur einen seriöseren Account, der meine Blogbeiträge verbreitet nebst weiteren Tweets zu ernsthafteren Themen beinhaltet, sondern auch einen Spaß-Account, auf dem ich durchaus auch häufiger Fotos verwende. Hier versuche ich mir aktiv anzugewöhnen, Bildbeschreibungen zu verwenden.

Weiter gedacht stelle ich an mich selbst die Frage, ob ich als Serverbetreiber für meine eigenen Inhalte nicht auch meine Webseiten auf Einhaltung von WCAG prüfen und ggf. Abhilfe schaffen sollte. Das werde ich mir als Aufgabenpaket nehmen, durchdenken und über eventuelle konkrete technische Maßnahmen berichten.

Ich wünsche ein schönes Wochenende sowie einen guten Start in die neue Woche!
Liebe Grüße,
Stefan

Text to Speech im Web-Browser

Liebe Leserinnen und Leser,

ich habe mich im Rahmen meiner Recherche mit dem Gedanken befasst, selbst Technologie auszuprobieren, die für Barrierefreiheit sorgt bzw. sorgen soll (siehe hier, Abschnitt „Technisches“). Das möchte ich im aktuellen Beitrag etwas vertiefen. Ich habe mich beim Lesen meiner Recherchepaper gefragt, ob es Programme zum Vorlesen von PDF-Dateien gibt. Aus Programmierersicht sehe ich zwei Hauptschwierigkeiten:

  1. Text in PDF-Dateien zuverlässig und richtig erkennen, sowohl Buchstaben, Worte und Absätze als auch beabsichtigte Formatierung
  2. Den Text auf menschenverständliche Weise vorlesen, was meines Erachtens Silbentrennung, Intonation und Punktuation betrifft

Da ich bei meiner, zugegebenermaßen etwas oberflächlichen, Suche nicht auf Programme mit dieser Funktionalität gestoßen bin, und in vielen Bereichen der Softwareentwicklung der Trend Richtung Browser geht, möchte ich zwei Wege vorstellen, PDFs im Browser vorlesen zu lassen.

Microsoft Edge

Was mich ehrlicherweise überrascht hat, ist die Integration einer Vorlesefunktion in den PDF-Viewer von Microsoft Edge. Bei Firefox (Version 95.0.4) konnte ich eine solche Funktion nicht nativ ausmachen. Ich habe mir dann das Paper „What do we mean by ‚Accessibility Research‘?“ von Kelly Mack et al. vorlesen lassen. In Edge unter Microsoft Windows klappte das für mich erstaunlich gut.

Mozilla Firefox

Es betrübte mich, dass Edge in diesem einen Punkt meinem Lieblings-Browser so weit voraus zu sein schien. Für Firefox konnte ich immerhin ein Plugin ausmachen, welches diese Funktionalität bietet: „Read Aloud: A Text to Speech Voice Reader“. Die Usability ist subjektiv zwar schlechter als bei der nativen Edge-Funktion, da man das Dokument erst hochladen muss (nebst Hinweis, dass es nicht wirklich hochgeladen, sondern nur zum Vorlesen verarbeitet wird). Beim Vorlesen scheint es mir qualitativ ähnlich zu Edge zu sein. Auf meinem Linux-Mint-System klang die Stimme sehr viel roboterhafter als auf Windows, aber ich gehe davon aus, dass das daran liegt, dass ich mich noch nicht damit befasst habe, Sprachpakete zu installieren.

Fazit

Mit diesem kurzen Beitrag erhoffe ich mir, einen Anstoß auch für mich selbst geschaffen zu haben, Assistive Technology besser kennenzulernen. Immerhin haben Text to Speech Programme nicht nur Nutzen für Personen mit Beeinträchtigung, sondern auch für diejenigen, die Inhalte besser durch Vorlesen erfassen. Analog zu Hörbüchern oder Podcasts kann man sich damit nämlich prima alles Mögliche vorlesen lassen.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
Stefan

Update

Lieber Leserinnen und Leser,

ich bedauere, dass seit dem letzten Post soviel Zeit vergangen ist und bitte um Entschuldigung dafür. Grund war hauptsächlich suboptimales Zeitmanagement, das will ich in Zukunft abstellen. Nun aber zum Inhaltlichen. Ich möchte diesen Beitrag in mehrere Bereiche aufteilen. Zunächst möchte ich den Stand meiner Literaturrecherche kurz zusammenfassen. Anschließend werde ich berichten, wie sich mein Erstkontakt mit den WCAG-Guidelines gestaltet hat. Da ich im Zusammenhang mit den WCAG-Guidelines auch technisch oberflächlich experimentiert habe, möchte ich auch selbiges beschreiben.

Literaturrecherche

Tatsächlich habe ich aktuell zur Literaturrecherche nichts für Fachkundige Neues zu berichten, aber ich möchte den Stand trotzdem kurz festhalten. Seit dem letzten Post habe ich dankenswerterweise Zugang zur Zotero-Datenbank der Forschungsgruppe erhalten, der Sven Bittenbinder und Fabiano Pinatti angehören. Diese Datenbank umfasst über 350 Artikel, die ich hinsichtlich meines Themas sichten werde. Einige, die mir interessant erscheinen, habe ich schon heruntergeladen. Sobald ich sie eingehend gelesen habe, werde ich berichten.

WCAG

Ich habe mich zu Beginn der Woche entschlossen, mich nun mit den WCAG-Guidelines zu befassen. Mein aktuelles Ziel ist, mir einen groben Überblick zu verschaffen, was genau alles von WCAG abgedeckt wird bzw. was alles bei der Umsetzung zu bedenken ist. Deswegen habe ich mich entschieden, die Inhalte zunächst von vorne nach hinten durchzuarbeiten.

Zugegebenermaßen habe ich mich zu Beginn etwas schwer getan mit dem Seitenlayout. Es ist meines Erachtens viel cleaner als ein klassischer Stackoverflow-Thread, aber von der Strukturierung her für mich ungewohnt. Allerdings konnte ich mich gut daran gewöhnen. Positiv hervorheben möchte ich, dass sehr viele Begriffe zu Definitionen und Beschreibungen verlinkt sind, das erleichtert das Verständnis enorm. Auch werden zu jedem der Erfolgskriterien Beispiele bereitgestellt, bei Gelegenheit auch mit HTML- und CSS-Code.

Auf der inhaltlichen Ebene setzt sich fort, was ich in vorangegangenen Blogeinträgen bereits schrieb: Der Sinn der Kriterien erschließt sich spätestens nach kurzem Nachdenken, aber der Einbezug erfordert Perspektiven, die mir bislang völlig abgegangen sind. Ich bin froh, dass ich mit den Themenfeldern in Kontakt komme, da das aus meiner Sicht einen exorbitanten Zugewinn darstellt. Zwei Punkte möchte ich beispielhaft anführen:

  • Alternativtexte: Audio- und Video-Inhalte sollten durch Texte ergänzt werden, die vom Inhalt her äquivalent sind
  • Steuerungs- und Eingabeelemente als auch ihr Zweck sollten klar gekennzeichnet werden, um besser von Screenreadern erfasst werden zu können

Technisches

Je länger ich in den WCAG-Guidelines gelesen habe, desto mehr hat es mich gereizt, Assistive Technology selbst auszuprobieren. Da es mir das präsenteste Tool zu sein scheint, habe ich mich für Screenreader entschieden. Privat nutze ich aktuell Linux Mint 20.3 mit Cinnamon-Desktop, was dankenswerterweise einen Screenreader bei der Installation mitbringt. Bisheriger Recherche nach scheint es der Orca Screenreader zu sein. Die Stimme klang sehr roboterhaft, lies sich aber immerhin etwas verändern durch Auswahl des Synthesizers. Nach kurzem Ausprobieren war ich allerdings enttäuscht, dass zwar die Elemente eines geöffneten Programms vorgelesen werden (sowohl Art als auch Titel), aber beispielsweise die Elemente des Startmenüs nicht sowie auch der Browser komplett nicht. Ich vermute, dass mehr Konfiguration erforderlich ist, befinde mich diesbezüglich aktuell aber in der Recherche. Ich habe dazu auf Twitter eine Frage nach Empfehlungen veröffentlicht und bereits Resonanz erhalten, die ich aktuell sichte.

Ich danke jeder Leserin und jedem Leser für die investierte Zeit und bin immer offen für Feedback und Anmerkungen. Ich wünsche frohe Weihnachten und schöne Feiertage!

Stefan

Aktueller Stand

Liebe Leserinnen und Leser,

leider kann ich diese Woche nicht viel berichten, da ich wenig Zeit gefunden habe, meiner Recherche nachzugehen. Damit meine Leserschaft trotzdem nicht leer ausgeht, möchte ich meine aktuelle Sicht auf Web Accessibility festhalten und meine geplante Vorgehensweise für die Recherche etwas ausdifferenzieren.

Meine Sicht auf Web Accessibility

Ich möchte diesen Blogeintrag nutzen, um meine aktuelle Sicht auf Web Accessibilitiy sowie Motivationen und Wurzeln zu beschreiben, derer ich mir bewusst bin. Lange war meine Sicht auf Berücksichtigung von Beeinträchtigten zugegebenermaßen, dass es nur wenige betrifft und daher die Notwendigkeit nicht groß ist. Meines Erachtens nach ist eine vorrangige Ursache für diese Einstellung, dass ich in meinem bisherigen Leben nahezu nie Kontakt zu Menschen mit Beeinträchtigungen hatte.

Geändert hat sich das meiner Erinnerung nach erst durch den Kurznachrichtendienst Twitter. Ich begann vor ca. 2 Jahren, auf Twitter aktiver zu sein. Dadurch, dass ich dort Menschen folgte, die ich interessant oder sympathisch fand, begegneten mir immer öfter andere Standpunkte und Sichtweisen als meine eigenen. Gelegentlich sah ich Texte, die Personen mit Beeinträchtigung verfasst hatten, die sehr simpel und anschaulich schilderten, welchen Hürden sie sich im Alltag gegenübersahen – bspw. Treppen aus der Sicht einer Rollstuhlfahrerin.

Meine Ansicht veränderte sich langsam, aber stetig dahingehend, dass offenbar doch die Notwendigkeit zur Veränderung besteht, wenn Menschen durch nicht zwingend erforderliche Umstände an der Teilhabe am Leben gehindert werden. Bis ich auf die Möglichkeit aufmerksam wurde, meine Abschlussarbeit über barrierefreie Webinhalte zu schreiben, habe ich bei Barrierefreiheit jedoch lediglich an analoge Themen gedacht.

Die Herausforderung bestand für mich zu Beginn darin, mir überhaupt bewusst zu machen, welche Dinge Einfluss auf barrierefreie Webinhalte haben könnten. Ganz praktisch können das Dinge sein wie veränderbare Schriftgröße, kontrastreiche Farbgestaltung oder ausreichend große Bedienelemente. Beim Durchdenken gelangte ich relativ schnell zu der Ansicht, dass die barrierefreie Gestaltung von Webinhalten nahezu zwangsläufig an einigen Stellen auch die Bedienbarkeit für Menschen ohne Beeinträchtigung verbessern könnte.

Zusammenfassend: Mir war lange die Relevanz des Themas nicht bewusst, was sich erst durch die Konfrontation mit Betroffenen auf Twitter geändert hat. Einflussgrößen auf meine Position zu dem Thema sind meines Erachtens gewesen:

  • (Mangelnder) Kontakt mit Betroffenen
  • Nutzen von Barrierefreiheit für Menschen ohne Beeinträchtigung
  • Machbarkeit der Umsetzung von Barrierefreiheit

Geplante Vorgehensweise bei der Recherche

Abschließend möchte ich noch einige kurze Worte darüber verlieren, wie ich mir aktuell die Recherche für meine Master-Projektarbeit vorstelle. Ich möchte die Fokuspunkte stichpunktartig aufführen und begründen.

  • Was ist Web Accessibility?
    Ich halte es für unerlässlich, eine Definition einzuführen, von der die restliche Arbeit ausgeht. Das bedingt natürlich, zu recherchieren, welche Definitionen bereits existieren und wie gut diese sind.
  • Wie ist die Entwicklung des Themengebietes vonstatten gegangen?
    Hierunter stelle ich mir eine kurze Historie vor, um die Einflussfaktoren verstehen zu können, die für den heutigen Status Quo verantwortlich sind.
  • Welche Standards gibt es und wie weit sind diese verbreitet?
    Dies wird überleiten in die Einarbeitung, wie man barrierefreie Webinhalte programmiert.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine frohe Vorweihnachtszeit. Bleibt gesund!

Liebe Grüße
Stefan

Lernen, barrierefreie Inhalte zu coden: Recherche

Liebe Leserinnen und Leser,

auch dieser Blogeintrag erscheint etwas verspätet, dafür möchte ich um Entschuldigung bitten. Ich erwäge, testweise anstatt Freitags in Zukunft Samstags zu posten – man wird sehen, wie das funktioniert. Nun aber zum Inhalt:

Geschehnisse

Am Donnerstag, 11.11.2021, habe ich ein sehr konstruktives Gespräch mit meinen zwei Betreuern seitens der Universität Siegen gehabt. Wir haben uns über den bisherigen Fortschritt des Exposés ausgetauscht. Ich habe danach noch einige Umbauten und Präzisierungen vorgenommen. Die finale Version des Exposés kann hier eingesehen werden. Da ich das Dokument auf Englisch verfasst habe, beinhalteten die Änderungen u.A. Verbesserungen bei Begrifflichkeiten. Im Exposé ist auch der Zeitplan enthalten, den ich hier stichpunktartig anführen möchte:

  • Literaturrecherche: KW 46 und 47
  • Durcharbeiten der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG): KW 48 – KW 52
  • Verfassen des Aufschriebs: KW 1 – 4
  • Wöchentliches Bloggen: Während des kompletten Zeitraums

Die Betreuung wird in Zusammenarbeit der Lehrstühle IT für die Alternde Gesellschaft sowie Computerunterstützte Gruppenarbeit und Soziale Medien erfolgen.

In der vergangenen Woche habe ich wenig an Recherche betrieben, da ich anderweitig ausgelastet war. Allerdings bin ich trotzdem auf etwas gestoßen, das ich kurz schildern möchte.

Definition Web Accessibility

Meine erste Idee bezüglich der Recherche war: Was ist überhaupt Web Accessibility? So simpel die Fragestellung sein mag, erscheint mir das ein guter Anfang, um meine eigene potentiell vorhandene Voreingenommenheit anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse zu reflektieren und ggf. zu revidieren.

Bei der Recherche weckte insbesondere die Publikation von Helen Petrie, Andreas Savva und Christopher Power (Petrie et al., 2015) mein Interesse. Die Autor*innen sammeln Definitionen des Begriffs „Web Accessibility“ aus Publikationen, Büchern und Web-Ressourcen und analysieren die gefundenen Texte. Daraus extrahieren sie sechs Kernkonzepte, namentlich:

  1. „all users / users regardless of capability / users with disabilities“
  2. „can access / interact with / use websites“
  3. „with usability characteristics“
  4. „using mainstream / assistive technologies“
  5. „design and development processes“
  6. „in specific contexts of use“

Die Punkte finden sich in absteigender Häufigkeit in den analysierten Textstellen, d.h. der erste Punkt wird am häufigsten verwendet. Die Autor*innen verleihen ihrer Überraschung darüber Ausdruck, dass zwar überall Klarheit über die Notwendigkeit zur Verwendbarkeit von Web-Content für Menschen mit Behinderung oder Einschränkung herrscht, dass aber wenig Fokus auf Möglichkeiten zum Gestalten, Beitragen und Verändern des Web-Contents liegt. Des Weiteren wird das Nichteinbeziehen von älteren Menschen kritisiert. Sie schlagen aufgrund ihrer Analyse folgende Definition vor:

all people, particularly disabled and older people, can use websites in a range of contexts of use, including mainstream and assistive technologies; to achieve this, websites need to be designed and developed to support usability across these contexts

Petrie et al. (2015), Seite 1 und 3

Reflektion

Die Definition von Web Accessibility beeinflusst meiner Meinung nach ganz maßgeblich, welche Ziele man sich beim Einbezug selbiger setzt. Bislang war mir nie bewusst, dass es Web-Content gibt, der für Menschen mit Behinderung oder Einschränkung schwer oder nicht zugänglich ist. Das Auseinandersetzen mit Definitionen verändert für mich ganz wesentlich den Blickwinkel. Natürlich ist es unbequem und anstrengend, sich aus gewohnten Bahnen und Denkmustern herauszubewegen, aber wenn der Gegenwert ist, dass sehr viel mehr Menschen das Internet als wesentliche Kommunikationstechnologie unseres Jahrhunderts mitgestalten können, ist es das meines Erachtens mehr als wert.

Allen, die bis hierher gelesen haben, danke ich von Herzen für die Aufmerksamkeit. Ich bin jederzeit offen für Verbesserungsvorschläge, Kritik und Denkanstöße.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein schönes und entspanntes Wochenende. Liebe Grüße,
Stefan

Literaturliste

Petrie et al. (2015): „Towards a Unified Definition of Web Accessibility“ von Helen Petrie, Andreas Savva und Christopher Power, veröffentlicht 2015, Proceedings of the 12th International Web For All Conference, Article 35, Pages 1 – 13