Josua 1,5: Bevollmächtigung

„Solange du lebst, wird sich niemand gegen dich behaupten können, denn ich will bei dir sein, wie ich bei Mose war. Ich werde dich nie verlassen und dich nicht aufgeben.“

Josua 1,5 (Neues Leben)

1) Beobachtungen

Zunächst möchte ich Satzteile des Verses auseinandernehmen. „Solange du lebst“ ist das Erste, was mir besonders auffiel. Es bedeutet, dass das, was folgt, Gültigkeit hat solange Josua lebt. Hierbei fühle ich mich an die prophetische Aussage aus 2. Chronik 34,28 erinnert.

„Ich will das vorausgesagte Unglück erst nach deinem Tod über diese Stadt und ihre Einwohner kommen lassen, wenn du in Frieden gestorben und begraben worden bist. Du wirst das Unglück, das ich über diesen Ort bringen werde, nicht mehr sehen.“ Diese Botschaft überbrachten sie dem König.

2. Chronik 34,28 (Neues Leben)

Anschließend sagt Gott, dass niemand sich gegen Josua wird behaupten können. „Behaupten“ bedeutet laut Duden „erhalten; bewahren; erfolgreich verteidigen“. Hieraus ergeben sich zwei Dinge: Erstens, dass Josua Widerstand erfahren und erfolgreich überwinden wird, und zweitens, dass er durch die Erfüllung von Gottes Auftrag Zerstörung bringen wird. Der folgende Teilsatz wird mit „denn“ eingeleitet, er enthält folglich eine Begründung. Gott begründet die Aussage damit, dass er selbst mit Josua sein wird, und zwar auf dieselbe Art, wie er mit Mose war. Gott hat durch Mose große Wunder gewirkt, beispielsweise die 12 Plagen, die Teilung des roten Meeres und die Gesetzgebung am Sinai.

Im Folgenden sagt Gott, dass er Josua weder verlassen noch noch aufgeben wird. „Verlassen“ bedeutet: „weg-, fortgehen von, aus etwas; sich von einem Ort entfernen; sich von jemandem, dem man nahegestanden hat, mit dem man in gewisser Weise verbunden ist, trennen“. Daraus folgt, dass Gott Josua zu diesem Zeitpunkt nahe war und das auch in Zukunft sein wird, Josua wird nie die Abwesenheit Gottes erfahren so wie Jesus am Kreuz.

2) Interpretation

Möglicherweise macht Gott diese Zusagen, da er schon weiß, dass Josua sich ihm zur Verfügung stellen wird. Vermutlich sind diese Zusagen als Ermutigung an ihn gedacht, aber sie bedeuten neben großer Macht, Gottes Macht, auch eine große Verantwortung. Indirekt sagt Gott hier voraus, dass Josua Zerstörung und Tod über die Völker Kanaans bringen wird. Zudem stellt er ihn auf dieselbe Stufe wie Mose. Zusammenfassend: Gott erhebt Josua zu großer Stärke und allen damit verbundenen positiven wie negativen Aspekten.

3) Anwendung

Es fällt mir schwer, hier etwas Anderes zu schreiben als zu den vergangenen Versen. Wenn Gott mir eine Aufgabe zuweist und mich als vertrauenswürdig ansieht, wird er mich auch mit Macht und Verantwortung ausstatten. Ich sollte also danach streben, mich Gott als vertrauenswürdig zu erweisen, siehe 2. Timotheus 2,4.

Und keiner, der in den Krieg zieht, verstrickt sich in die Angelegenheiten des täglichen Lebens, denn er will ja dem gefallen, der ihn in seine Armee aufgenommen hat.

2. Timotheus 2,4 (Neues Leben)

Josua 1,4: Missionsdetails

„von der Wüste im Süden bis zu den Bergen des Libanon im Norden, das ganze Land der Hetiter, bis zum Euphrat im Osten und zum Mittelmeer im Westen. Das soll euer Gebiet sein.'“

Josua 1,4 (Neues Leben Übersetzung)

1) Interpretation

Auch in diesem Vers spricht Gott, Adressaten sind Josua und das Volk Israel. Gott grenzt das Gebiet ein, welches er den Israeliten gibt: Von der Grenze zur Sinai-Halbinsel im Süden bis zum Libanon im Norden und vom Euphrat im Osten bis zum Mittelmeer im Westen. Explizit eingeschlossen ist das Gebiet der Hetiter; laut Wikipedia sind hiermit wahrscheinlich Überbleibsel des hetitischen Großreiches (Kerngebiet in Kleinasien) nach dessen Zerfall um 1200 vor Christus gemeint.

Gott definiert diese Grenzen schon an vorhergehenden Stellen, und zwar in 2. Mose 23,31 und 5. Mose 11,24.

„Ich gebe euch das Gebiet vom Roten Meer bis zum Mittelmeer und von der Wüste bis zum Euphrat. Die Bewohner dieses Landes werde ich in eure Hand geben, sodass ihr sie vertreiben könnt.“

2. Mose 23,31

„Alles Land, auf das ihr euren Fuß setzt, wird euch gehören: Eure Grenzen werden sich von der Wüste bis zum Libanon erstrecken, vom Euphrat bis zum Mittelmeer.“

5. Mose 11,24 (Neues Leben Übersetzung)

Auffallend ist, dass die Reihenfolge und Ausdrücke in 5. Mose 11,24 exakt dieselben sind wie in Jousa 1,4. 2. Mose 23,31 unterscheidet sich merklich; hier liegt der Fokus auf den Gewässern, da der Libanon als Nordgrenze nicht erwähnt wird und stattdessen das Rote Meer als genauere Eingrenzung der südlichen Grenze herangezogen wird.

Gott setzt hier fest, dass dieses Land dem Volk Israel gehören soll. Bis zu den Wegführungen nach Babylon, welche aus dem Ungehorsam des Volkes Gottes Geboten gegenüber resultierte, blieb das auch so.

2) Interpretation

Im Kontext der vorherigen Verse: Gott beauftragt Josua und das Volk, die Trauer zu beenden, gibt ihnen eine Aufgabe und verspricht den Erfolg, und steckt nun die Grenzen der Aufgabe ab.

Gott teilt dem Volk hier ein Gebiet als Erbteil zu. Bei Gehorsam ihm gegenüber vergrößert sich ihr Einflussbereich, siehe David und Salomo. Bei Ungehorsam lässt Gott Bedrängnis durch die Völker um sie herum zu, aber weniger als ihr Land besitzen sie bis zu den Wegführungen nie. Dies kann man als Symbolik auf unsere Errettung durch Jesus interpretieren: Wir haben sie immer sicher.

3) Anwendung

Ich sehe darin eine Ermutigung sowie eine Absicherung für mich von Gott, was gleichzeitig ein sehr großes Geschenk ist. Im Lichte meiner aktuellen Gedanken um Leiterschaft: Ich falle nie tiefer als in Gottes Hand.

Josua 1,3: Gottes Versprechen gilt

„Ich sage dir zu, was ich schon Mose versprochen habe: ‚Wohin ihr auch geht, werdet ihr Land betreten, das ich euch geschenkt habe:“

1) Beobachtungen

Gott spricht hier immer noch zu Josua. Er setzt seine Person als Autorität ein, indem er ein Versprechen erneuert. Das besagte Versprechen gibt Gott das erste Mal Abraham in 1. Mose 15,18-20 („So schloss der Herr an jenem Tag einen Bund mit Abraham und sprach: ‚Ich werde dieses Land deinen Nachkommen geben, das ganze Gebiet von den Grenzen Ägyptens bis zum großen Fluss Euphrat – das Land der Keniter, Kenasiter, Kadmoniter, Hetiter, Perisiter, Refaiter, Amoriter, Kanaaniter, Girgaschiter und Jebusiter.'“). Anschließend erneuert er es gegenüber Mose in 2. Mose 23,22-24 („Wenn ihr aber gewissenhaft darauf bedacht seid ihm [dem Engel] zu gehorchen, indem ihr alles tut, was ich euch sage, dann werde ich ein Feind eurer Feinde sein und die bedrängen, die euch bedrängen. Denn mein Engel wird vor euch hergehen und euch in das Land der Amoriter, Hetiter, Perisiter, Kanaaniter, Hiwiter und Jebusiter bringen und ich werde sie vernichten.“). Mose schließlich erinnert die Israeliten vor seinem Tod nocheinmal daran, siehe 5. Mose 11,22-24 („Wenn ihr die Gebote, die ich euch gebe, gewissenhaft befolgt, indem ihr den Herrn, euren Gott, liebt, seinen Willen tut und euch an ihn haltet, dann wird der Herr alle diese Völker vor euch vertreiben. Ihr werde Völker verjagen, die größer und stärker sind als ihr. Alles Land, auf das ihr euren Fuß setzt, wird euch gehören: Eure Grenzen werden sich von der Wüste bis zum Libanon erstrecken, vom Euphrat bis zum Mittelmeer.“).
Bemerkenswert ist, dass das Versprechen gegenüber Mose und die Erinnerung von Mose an das Volk die Bedingung beinhalten, Gott zu gehorchen – das Versprechen an Abraham jedoch nicht.

Gott bezieht sich explizit auf das, was er Mose bereits zusagte, und bestätigt dadurch noch einmal Josuas Stellung als legitimer Nachfolger Moses‘. Obwohl das Versprechen aus Gottes Sicht über Moses‘ Tod hinaus gültig ist, erneuert er es gegenüber Josua. Etwas versprechen bedeutet laut Lexikon: „etwas verbindlich zusagen; Anlass oder Grund geben, zu hoffen“.
Die Formulierung „geschenkt habe“ legt den Schluss nahe, dass aus Gottes Sicht das Land schon den Israeliten gehört, und sie es sich nur noch nehmen müssen. Dazu gehört jedoch auch: „Wohin ihr auch geht“ und „werdet ihr Land betreten“, d.h. sie müssen selbst aktiv werden und losgehen.

2) Interpretation

Obwohl die Zusage, die Gott Abraham gegeben hat und gegenüber Mose und dem Volk erneuerte noch gilt, bekräftigt er sie hier an Josua und das Volk gerichtet ein weiteres Mal. Dass die Israeliten trotz Gottes Hilfe noch selbst losgehen müssen, um ihr Land zu betreten, kann man als Symbolik auf die Errettung deuten: Jesus hat die Schuld bereits bezahlt, aber wir müssen uns trotzdem dazu entscheiden, sein Opfer für uns anzunehmen.

Dass Gott die Zusage erneuert, ist eine notwendige Erinnerung, weil wir Menschen schnell seine Wunder und Verheißungen vergessen oder / und das Vertrauen verlieren.

Gott setzt hier zum dritten Mal in den ersten drei Versen indirekt das Zeichen, dass Josua der legitime Nachfolger Moses‘ als Israels Leiter ist. Das versieht Josua mit der dafür nötigen Autorität von Gott.

3) Anwendung

Gott kennt uns Menschen, er weiß, dass wir Erinnerung an geistliche Stärke brauchen. Er hat den Sieg schon errungen, wir müssen ihn nur noch für uns in Anspruch nehmen. Ich möchte mehr auf Gott vertrauen; darauf, dass er mich für die Aufgaben, die er mir gibt, ausrüstet und dass er für mich kämpft.