Petrus‘ Gang übers Wasser

0) Bibeltexte

Sofort danach schickte Jesus seine Jünger zum Boot zurück und befahl ihnen, ans andere Ufer überzusetzen, während er die Menschen nach Hause entließ.
Dann stieg er allein in die Berge hinauf, um dort zu beten. Als es dunkel wurde, war er immer noch allein dort oben.
Währenddessen hatte sich das Boot weit vom Ufer entfernt und war in schweren Seegang geraten, denn ein starker Wind war aufgekommen.
Gegen drei Uhr morgens kam Jesus über das Wasser zu ihnen.
Als ihn die Jünger sahen, schrien sie entsetzt auf, denn sie hielten ihn für einen Geist.
Doch Jesus sprach sie sogleich an: „Es ist gut“, sagte er. „Ich bin es! Habt keine Angst.“
Da rief Petrus ihm zu: „Herr, wenn du es wirklich bist, befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen.“
„Dann komm“, sagte Jesus. Und Petrus stieg aus dem Boot und ging über das Wasser, Jesus entgegen.
Als er sich aber umsah und die hohen Wellen erblickte, bekam er Angst und begann zu versinken. „Herr, rette mich!“, schrie er.
Sofort streckte Jesus ihm die Hand hin und hielt ihn fest. „Du hast nicht viel Glauben“, sagte Jesus. „Warum hast du gezweifelt?“
Als sie schließlich zurück ins Boot stiegen, legte sich der Wind.
Da beteten ihn die Jünger an. „Du bist wirklich der Sohn Gottes!“, riefen sie.

Matthäus 14,22-33 (Neues Leben)

Gleich danach befahl Jesus seinen Jüngern, wieder ins Boot zu steigen und über den See nach Betsaida zu fahren, während er inzwischen die Menschen nach Hause entließ.
Dann ging er allein auf einen Berg, um zu beten.
In der Nacht befanden sich die Jünger in ihrem Boot mitten auf dem See, und Jesus war allein an Land.
Er sah, dass sie mühsam gegen den Wind und die Wellen ankämpften. Gegen drei Uhr morgens ging er über das Wasser zu ihnen. Er wollte an ihnen vorübergehen.
Doch als sie ihn auf dem Wasser gehen sahen, schrien sie vor Entsetzen, denn sie hielten ihn für ein Gespenst.
Sie waren zu Tode erschrocken, als sie ihn sahen. Doch Jesus sprach sie sofort an. „Erschreckt nicht“, sagte er. „Ich bin es. Habt keine Angst.“
Dann stieg er ins Boot, und der Wind legte sich. Sie staunten über das, was vor ihren Augen geschah.
Sie hatten immer noch nicht begriffen, was das Wunder der Brotvermehrung bedeutete, denn ihre Herzen waren verhärtet, und sie glaubten nicht.
Als sie auf der anderen Seite des Sees in Genezareth ankamen, machten sie das Boot fest
und stiegen aus.

Markus 6,45-54 (Neues Leben)

Jesus merkte, dass sie im Begriff waren, ihn mit Gewalt aufzuhalten und zum König zu machen. Da zug er sich wieder auf den Berg zurück und blieb dort für sich allein.
Am Abend gingen seine Jünger zum Ufer hinunter, um dort auf ihn zu warten.
Doch als es dunkel wurde und Jesus noch immer nicht kam, stiegen sie ins Boot, um über den See nach Kapernaum zu fahren.
Da überraschte sie auf dem See ein Sturm, der das Wasser aufpeitschte.
Sie waren etwa fünf Kilometer weit gekommen, als sie plötzlich Jesus übers Wasser auf ihr Boot zukommen sahen. Sie erschraken fürchterlich,
doch er rief ihnen zu: „Ich bin es! Habt keine Angst.“ Sie beeilten sich, ihn ins Boot zu holen, und schon war das Boot am Ufer angekommen.

Johannes 6,15-21 (Neues Leben)

1) Beobachtungen

Zu Beginn halte ich es für erwähnenswert, dass dies eine der Begebenheiten ist, die sich nur Unter Verwendung mehrerer Evangelien vollständig darstellen lässt. Lukas lässt die Bootfahrt nach der Speisung der 5.000 komplett aus und nur Matthäus berichtet uns von Petrus‘ Gang auf dem Wasser. Doch möchte ich nun die Szene, die sich aus der Zusammenfügung der Informationen ergibt, komplett darstellen.

Prolog

Beginnen wir mit der Aussendung der 12 Apostel (Matthäus 10; Markus 6,7-12; Lukas 9,1-6). Jesus sendet die 12 Apostel aus, was uns verdeutlicht, dass es eine andere Begebenheit ist als die Aussendung der 72 Jünger (Lukas 10,1-20). Die 12 Apostel haben den Auftrag, Jesu Botschaft zu verkündigen und zu heilen und Wunder zu tun. Vermutlich währenddessen lässt Herodes Johannes den Täufer auf Bitten der Tochter seiner Frau ermorden (Matthäus 14,1-12; Markus 6,14-29; Lukas 9,9).
Als die Jünger zu Jesus zurückkehren, berichten sie ihm, was sie getan und erlebt haben. Jesus will sich mit ihnen an einen einsamen Ort zurückziehen, um auszuruhen, allerdings bleiben sie nicht unbemerkt und es versammelt sich eine Volksmenge um sie, in der 5.000 Männer zzgl. Frauen und Kinder sind.
Jesus speist sie alle mit 5 Broten und zwei Fischen, die Jünger sammeln anschließend noch 12 Körbe mit Resten ein. Durch die Lehre und das Wunder jedoch sind die Menschen fest entschlossen, Jesus zum König zu machen (Johannes 6,15) – dem entzieht er sich, indem er in die Berge hinaufsteigt um dort zu beten. Matthäus und Markus berichten, dass Jesus den Jüngern befahl, sofort ans andere Ufer überzusetzen. Johannes hingegen schreibt, dass sie am Ufer auf Jesus warten und erst übersetzen, als es beginnt, dunkel zu werden.

Haupthandlung

Die Apostel geraten mitten auf dem See in Schwierigkeiten. Die Länge der Strecke nach Luftlinie beträgt etwa 12,65 km. Die Bibel erzählt uns, dass sie etwa 5 km vom Ufer entfernt von einem starken Sturm überrascht werden, der selbst die gelernten Fischer in ernsthafte Schwierigkeiten bringt. Laut Markus 6,47-48 bemerkt Jesus das schon am Abend, aber begegnet ihnen auf dem See erst gegen 3 Uhr morgens. Er wollte am Boot der Jünger vorübergehen, aber als sie vor Entsetzen und Angst schreien, weil sie ihn für ein Gespenst halten, spricht er sie direkt an und gibt sich zu erkennen. Petrus entgegnet, wenn er wirklich Jesus sei, solle er Petrus befehlen, auf dem Wasser zu ihm zu kommen. Jesus tut das, und Petrus steigt aus dem Boot und läuft auf dem Wasser zu Jesus.
Als er jedoch seinen Blick auf den Sturm und die Wellen richtet, bekommt er Angst und beginnt zu sinken. In seiner Verzweiflung ruft er nach Jesus um Hilfe, der in direkt am Arm packt und hochzieht. Jesu Frage, warum Petrus zweifelte, bleibt für uns unbeantwortet. Als sie ins Boot steigen, legt sich der Sturm und das Boot ist direkt am anderen Ufer (Johannes 6,21).

2) Interpretation

Zunächst ist interessant, dass Jesus das Gebet, sprich das Gespräch mit seinem Vater, sehr wichtig ist. Das lässt sich daraus ableiten, dass er alleine in der Stille betet, konsistent mit Matthäus 6,6, sowie daraus, dass er offenbar recht lange betet und es auch nicht unterbricht, als er sieht, dass die Jünger in Schwierigkeiten sind.

Richten wir nun den Blick auf die Reaktionen der Jünger. Sie haben vor dieser Situation die Macht Gottes sehr intensiv erlebt, indem sie selbst Wunder taten und bei Jesus waren, als er die 5.000 speiste. Trotzdem haben sie in dieser Stresssituation Angst und vertrauen nicht darauf, dass Gott sie schützt. Eventuell lässt sich daraus der Schluss ziehen, dass der Sturm eine Art Prüfung ihres Glaubens gewesen ist. Ob Petrus‘ Motiv hier war, sich hervorzutun, oder ob er tatsächlich daran zweifelte, ob es Jesus ist, lässt sich nicht sagen. Jedoch müsste man sich bei zweiterem fragen, wer sonst solche Macht haben könnte. Nichtsdestotrotz ist die Tatsache, dass er mitten im Sturm aus dem Boot auf das Wasser steigt, ein bemerkenswerter Glaubensschritt.

Jesus zeigt den Jüngern auch hier seine große Macht, indem er

  • Petrus auf dem Wasser zu sich laufen lässt
  • ihn vor dem Versinken bewahrt
  • den Sturm stillt
  • das Boot direkt ans andere Ufer bringt

Soweit ich mich erinnere, gibt es keine andere Begebenheit, von der uns die Bibel schildert, in der jemand auf dem Wasser ging. Beim Zug des Volkes Israel teilte sich das rote Meer (2. Mose 14,15-31) sowie der Jordan (Josua 3), auch bei Elia und Elisa teilt Gott den Jordan (2. Könige 2,8+14).

3) Anwendung

Ersichtlich ist hier, wie wichtig das Gebet ist. Es gibt keine Situation, die für Gott zu schwierig ist, also ist es unser wichtigster Job, zu beten so wie Jesus es tat.

Da Petrus einsank, als er Angst bekam, sprich das Vertrauen verlor, stellt sich die Frage: Ist Gottes Macht endlich? Die Antwort sehe ich darin, dass die Wirkung von Gottes Macht durch jeden Einzelnen von dessen Vertrauen darauf abhängt. Je mehr Raum ich Gott in meinem Leben gebe, desto mächtiger kann er durch mich wirken. Also hat das Vertrauen auf Gott einen hohen Stellenwert.