Gebet

Lass dir keine unüberlegten Worte entschlüpfen, rede nicht unbedacht im Überschwang deiner Gefühle, wenn du zu Gott betest; denn Gott ist im Himmel und du bist hier auf der Erde. Deshalb geh sparsam mit deinen Worten um!

Prediger 5,1 – Die Bibel, Neues Leben Übersetzung

Neulich stieß ich beim Stöbern auf diesen Vers aus Prediger 5. Mir ging daraufhin Verschiedenes durch den Kopf. Ich habe lange Zeit eine Gemeinde besucht, in der ausufernde Gebete während des Gottesdienstes keine Seltenheit waren. Als Kind empfand ich das, gelinde gesagt, als der Konzentration abträglich. Auf Anhieb gefiel mir der Vers daher sehr gut, weil er in meine persönlichen Vorstellungen passte. Beim Nachdenken kam ich dann allerdings doch zu einem Problem: Sollte ich immer möglichst sparsam beten? Das widerspricht sich zumindest auf den ersten Blick mit zum Beispiel mit Hebräer 4,16.

Lasst uns deshalb zuversichtlich vor den Thron unseres gnädigen Gottes treten. Dort werden wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden, die uns helfen wird, wenn wir sie brauchen.

Hebräerbrief 4,16 – Die Bibel, Neues Leben Übersetzung

Andere Übersetzungen benutzen statt „zuversichtlich“ den Begriff „freimütig“. Andererseits bestätigt Matthäus 6,7 die Aussage aus Prediger.

Plappert nicht vor euch hin, wenn ihr betet, wie es die Menschen tun, die Gott nicht kennen. Sie glauben, dass ihre Gebete erhört werden, wenn sie die Worte nur oft genug wiederholen.

Matthäusevangelium 6,7 – Die Bibel, Neues Leben Übersetzung

Für mich ergibt sich daraus die mögliche Schlussfolgerung, dass ich jederzeit mit meinen Anliegen zu Gott kommen kann, aber dass ich mich im Gebet nicht darum bemühen soll, möglichst viel zu sagen oder möglichst ausschweifend meine Anliegen darzulegen, aus Respekt vor dem allmächtigen Gott, mit dem ich es zu tun habe.

Hiob

Dieser Post beinhaltet nur einige kurze, nicht ausgearbeitete Gedanken. Ich denke allerdings, dass gute Anstöße dabei sind. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich das Buch Hiob gelesen. Allgemein bekannt wird vermutlich das sprichwörtliche Leiden Hiobs sein, mit dem Gott ihn gestraft hat. Des Weiteren beinhaltet das Buch ausführliche Beschäftigungen mit dem Thema Leid. Worauf ich aber hinaus möchte, sind andere Dinge.

Das Buch Hiob besteht zum allergrößten Teil aus Diskussionen Hiobs mit seinen Freunden um die Schuldfrage. Daraus ergibt sich die Frage: Ergibt sich eine Kausalität von Schuld und Leid? Ich denke, dass es Fälle gibt, wo das so ist, aber auch in beide Richtungen (Schuld -> Leid, Leid -> Schuld) genug Gegenbeispiele existieren. Nichtsdestotrotz macht die Reflektierung des eigenen Standpunktes zu dieser Frage m.E. Sinn.

Hiob selbst beteuert immer wieder seine Unschuld, worauf seine Freunde mit ihren Erfahrungen über Gottes Verhalten antworten. Das führt mich zu dem Gedanken: Sollten Menschen im Allgemeinen und Christen im Besonderen versuchen, Anwalt für Gott zu sein? Meine Meinung dazu ist, dass das gar nicht möglich ist. Naturgemäß kann ich als Mensch weder die Gründe noch die Motive für Gottes Entscheidungen kennen. Ein anderer Sachverhalt ist das Verargumentieren des eigenen Glaubens. Zu vielen Kritikpunkten an der Bibel gibt es mindestens valide Gegenargumente, die sich als Christ zu kennen lohnt.

Soviel zu meinen Gedanken über das Buch Hiob.