Beginn des Schreibvorgangs, erste Eindrücke

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in dieser Woche habe ich damit begonnen, den Aufschrieb meiner Master-Projektarbeit zu erstellen. Mein persönliches Abgabeziel dafür ist Ende Februar 2022. In diesem Beitrag möchte ich kurz meinen Gesamteindruck der WCAG 2.1 schildern und anschließend bisherige Rückmeldungen zum begonnen Aufschrieb wiedergeben und selbigen zur Diskussion stellen.

Gesamteindruck WCAG 2.1

Ich habe das Durcharbeiten von WCAG 2.1 kürzlich abgeschlossen und möchte meinen Gesamteindruck zusammenfassen. Wie in diversen verangenen Blogeinträgen bereits erwähnt, empfinde ich ein gewisses Maß an Verblüffung darüber, dass die Inhalte der Richtlinien sehr logisch und einfach nachvollziehbar sind, aber auf Perspektiven basieren, die zumindest mir bislang nahezu gänzlich fehlten.

Abgesehen davon möchte ich den Abschnitt 5 hervorheben, der Konformitäts-Statements betrifft. Inhaltlich besagt er, dass eine Website auch ohne Konformitäts-Statement die WCAG-Richtlinien befolgen kann, aber dass, wenn ein solches Statement für eine Website publiziert wird, dann sind diverse Dinge einzuhalten. Ohne Überraschung lässt sich sagen, dass viele der Anforderungen sich mit den Anforderungen an barrierefreie Webinhalte insgesamt decken: Maschinenlesbarkeit, sauberes Ausweisen von (potentiell Dritt-)Inhalten, die möglicherweise nicht konform sind und nicht vom Autor der Seite beinflusst werden können etc.

Als Fazit möchte ich sagen, dass ich die Richtlinie für sehr wichtig und (meiner unmaßgeblichen Meinung nach) richtig halte, was barrierefreie Webinhalte betrifft und mich sehr darauf freue, sie nach besten Kräften in meiner Masterarbeit umzusetzen.

Beginn des Schreibvorgangs

Zu Beginn: Wer möchte, kann den heutigen Stand meines Schriftstückes hier nachlesen. Ich bin immer offen für Rückmeldungen, Kritik oder Kommentare und freue mich über jede Leserin und jeden Leser =)

Aller Anfang ist schwer, sagt ein Sprichwort, und meines Erachtens trifft das insbesondere auf den ersten Satz einer wissenschaftlichen Arbeit zu. Ich habe mit der Einleitung begonnen, um einen Einstieg zu finden, den ich später bei Bedarf vergleichsweise leicht revidieren kann. Intention des bisherigen Texts ist es, Barrierefreiheit als Großes als Aufhänger zu nehmen und dann reinzuzoomen auf die Web-Barrierefreiheit. Ich habe mich bereits mit einigen Menschen darüber ausgetauscht und möchte an dieser Stelle zuvorderst meiner Frau Sarah für einige zweifellos bessere Formulierungsvorschläge danken. Bettina Frank brachte mich durch einen Einwurf zum Nachdenken, ob es sich nicht sogar lohnt, einen Exkurs darüber einzubauen, die Barrierefreiheit verschiedener Betriebssysteme (Apple iOS, Microsoft Windows, potentiell einige der wichtigsten Linux-Derivate wie z.B. Linux Mint, Ubuntu, Debian) zu vergleichen. Darin bestärkt wurde ich durch weitere gute Vorschläge von Tuktuk (an dieser Stelle eine kurze Warnung an den geneigten Leser vor dem Anklicken des Links: das Profilbild hat die Intention, eine Praline darzustellen) und M. Ich plane, das im nächsten Betreuergespräch vorzuschlagen.

Dankeschön

Neben den bisher genannten möchte ich die Gelegenheit nutzen, um mich bei meinem Vater zu bedanken, dessen Kommentare sehr motivierend und aufbauend sind und für investierte Lesezeit bei Narkosetante.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein erholsames Wochenende und Gesundheit.

Liebe Grüße,
Stefan

Literatur-Analyse und Eindrücke

Liebe Leserinnen und Leser,

heute möchte ich den Fokus auf ein Paper legen, mit welchem ich mich seit dem letzten Post intensiver beschäftigt habe. Außerdem möchte ich meine Gedanken zu einer Thematik darlegen, die als Erstes in einem Gespräch Ende Dezember aufkam, aber für mich aktuell in den Vordergrund gerückt ist.

Literatur-Analyse

Mit dem Ziel, mir einen groben Überblick über das Feld der Barrierefreiheitsforschung zu verschaffen, habe ich mich auf die Suche nach einer aktuellen und qualitativ guten Literatur-Analyse begeben. Fündig geworden bin ich beim Paper von Mack et al. (2021). Die Autoren werten Artikel von zwei großen Konferenzen des Fachgebietes aus, nämlich der Conference on Human Factors in Computing Systems (CHI) und der ACM Conference on Accessible Computing (ASSETS). Die Auswertung ist unterteilt in zwei überlappende Zeiträume: 2010 – 2019 und 1994 – 2019. In der den kürzeren Zeitraum betreffende Analyse wurden 506 Veröffentlichungen bearbeitet, während die Analyse des Zeitraums 1994 – 2019 836 Veröffentlichungen beinhaltete. Wesentliche Erkenntnisse, die mir subjektiv neu waren:

  • Die Forschung im Bereich Barrierefreiheit hat einen starken Fokus auf Menschen mit Sehbeeinträchtigung oder -behinderung (engl. Blind and Low Vision People, kurz BLV)
  • Der Einbezug von Begleitpersonen bzw. Repräsentanten sowie Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmern ohne Behinderung kann Erkenntnisgewinn bieten, aber auch durchaus heikel bis nachteilig sein
  • Die Differenzierung zwischen medizinischem und sozialem Modell

Letzteres möchte ich kurz detaillierter ausführen. Insbesondere gestolpert bin ich über die Phrase „identify as disabled“ auf Seite 4 des Papers. Ich habe mich anhand dieser Phrase gefragt, ob es in irgendeiner Art eine normative Instanz oder eine Richtlinie gibt, die den Status eines Menschen definiert, oder ob das ein jeder mit sich selbst ausmacht. Im Betreuungsgespräch am 20.1.2022 mit Sven Bittenbinder habe ich diese Frage gestellt. Sven hat mir dann erklärt, dass das im medizinischen Modell zwar ein Arzt entscheidet, aber dass im sozialen Modell die Behinderung als durch das Umfeld gegeben erachtet wird, bspw. wenn eine Person mit Gehbehinderung vor einer Treppe steht. Das hat mir geholfen, den Perspektivwechsel zu durchdenken.

Persönliche Eindrücke

Neben der Literatur-Analyse ist mir ein, meiner subjektiven Meinung nach, eher schwer fassbares Thema durch den Kopf gegangen. Im weiter oben bereits erwähnten Gespräch mit Sven kam auch das Thema auf, dass Personen mit Beeinträchtigung sich übergangen fühlen, wenn etwas für sie designed wird ohne ihre Beteiligung. Dass das ein Thema werden könnte, dachte ich zum ersten Mal, als Fabiano Pinatti mir im Betreuungsgespräch am 23.12.2021 Kritik zu meinen Blogpostings weitergab. Kritisiert wurde, dass der Eindruck entstehe, dass ich als „truthholder“ schreiben würde. Das habe ich so interpretiert, dass die Postings besserwisserisch wirken. Da ich selbst „nur“ durch eine verringerte Sehfähigkeit beeinträchtigt bin, was sich durch eine Brille lösen lässt, fürchte ich, dass ich bei meiner Arbeit unbeabsichtigt Menschen mit anderen oder stärkeren Beeinträchtigungen übergehen könnte. Das hebt für mich die Wichtigkeit des „Participatory Design“-Ansatzes hervor, der vereinfacht gesagt daraus besteht, die Ziel-Nutzer-Gruppe beim Design eines Produktes mit einzubeziehen.

Ich wünsche jeder Leserin und jedem Leser einen guten Start ins neue Jahr und in Anbetracht der aktuellen Lage Gesundheit.

Liebe Grüße,
Stefan

Literatur

Mack et al. (2021): „What do we mean by ‚Accessibility Research‘? – A Literature Survey of Accessibility Papers in CHI and ASSETS from 1994 to 2019“ von Kelly Mack, Emma McDonnell, Dhruv Jain, Lucy Lu Wang, Jon E. Froehlich und Leah Findlater, veröffentlicht 2021, CHI Conference on Human Factors in Computing Systems (CHI ’21)

WCAG-Fortschritt

Liebe Leserinnen und Leser,

ich möchte von meinem zwischenzeitlichen Fortschritt beim Einarbeiten in die WCAG-Guidelines berichten. Zuerst soll ein technischer Teil stehen mit Guidelines, die ich für besonders hervorhebenswert halte, und anschließend ein, zwei persönliche Überlegungen.

Technisches

An erste Stelle setzen möchte ich hier WCAG Success Criterion 2.1. Es steht unterhalb der Anforderung „Operable“, welche das Kaptel 2 in den WCAG Guidelines darstellt. Punkt 2.1 trägt die Überschrift „Keyboard“ und beinhaltet diverse, meiner subjektiven Meinung nach, ausgesprochen angenehme und erstrebenswerte Punkte, u.a.:

  • No Keyboard Trap
    Es ist nicht möglich, sich per Keyboard an einen Punkt oder ein Element der Seite zu navigieren, welches man nicht per Keyboard wieder verlassen kann
  • Charakter Key Shortcuts
    Wenn bestimmte Zeichen mit Sonderfunktionen belegt sind, ist es wahlweise möglich, diese umzubelegen um z.B. Strg oder Alt mit einzubeziehen, die Sonderfunktionen sind nur an bestimmten Elementen aktiv oder man kann sie ganz ausschalten

Des Weiteren aufgefallen ist mir Success Criterion 1.4.10 „Reflow“. Ich gebe zu, ich musste an dieser Stelle erst nachrecherchieren, was mit Reflow genau gemeint ist, aber dankenswerterweise bietet die Webseite hier wie auch bei nahezu allen anderen Punkten Beispiele und Erläuterungen. Vorausgesetzt, ich habe die Inhalte richtig verstanden, besagt das Success Criterion, dass man eine Webseite auf mindestens 400% vergrößern können muss, ohne in mehr als eine Richtung (horizontal / vertikal) scrollen zu müssen. Das betrifft speziell Menschen mit eingeschränkter Sicht, z.B. ältere Menschen.

Persönliche Überlegungen / Nebenkriegsschauplätze

Ich habe mir zwischenzeitlich das Buch „Fit fürs Studium – Statistik“ von Benno Grabinger in der 2. Auflage zugelegt. Ziel ist es, mein spärliches statistisches Wissen auszubauen, da ich denke, dass das auch Vorteile für die statistischen Auswertungen der qualitativen Studie in meiner Masterarbeit hat. Daneben habe ich überlegt, wo Web Accessibility mich persönlich betrifft bzw. wo ich mein Verhalten verbessern könnte. In erster Linie dachte ich hierbei über Bildbeschreibungen nach. In meinen Blogbeiträgen verwende ich zurzeit keine Bilder, aber sollte sich das ändern (was ich für recht wahrscheinlich halte), werde ich darauf achten, solche beizufügen. Nun betreibe ich auf Twitter nicht nur einen seriöseren Account, der meine Blogbeiträge verbreitet nebst weiteren Tweets zu ernsthafteren Themen beinhaltet, sondern auch einen Spaß-Account, auf dem ich durchaus auch häufiger Fotos verwende. Hier versuche ich mir aktiv anzugewöhnen, Bildbeschreibungen zu verwenden.

Weiter gedacht stelle ich an mich selbst die Frage, ob ich als Serverbetreiber für meine eigenen Inhalte nicht auch meine Webseiten auf Einhaltung von WCAG prüfen und ggf. Abhilfe schaffen sollte. Das werde ich mir als Aufgabenpaket nehmen, durchdenken und über eventuelle konkrete technische Maßnahmen berichten.

Ich wünsche ein schönes Wochenende sowie einen guten Start in die neue Woche!
Liebe Grüße,
Stefan

Text to Speech im Web-Browser

Liebe Leserinnen und Leser,

ich habe mich im Rahmen meiner Recherche mit dem Gedanken befasst, selbst Technologie auszuprobieren, die für Barrierefreiheit sorgt bzw. sorgen soll (siehe hier, Abschnitt „Technisches“). Das möchte ich im aktuellen Beitrag etwas vertiefen. Ich habe mich beim Lesen meiner Recherchepaper gefragt, ob es Programme zum Vorlesen von PDF-Dateien gibt. Aus Programmierersicht sehe ich zwei Hauptschwierigkeiten:

  1. Text in PDF-Dateien zuverlässig und richtig erkennen, sowohl Buchstaben, Worte und Absätze als auch beabsichtigte Formatierung
  2. Den Text auf menschenverständliche Weise vorlesen, was meines Erachtens Silbentrennung, Intonation und Punktuation betrifft

Da ich bei meiner, zugegebenermaßen etwas oberflächlichen, Suche nicht auf Programme mit dieser Funktionalität gestoßen bin, und in vielen Bereichen der Softwareentwicklung der Trend Richtung Browser geht, möchte ich zwei Wege vorstellen, PDFs im Browser vorlesen zu lassen.

Microsoft Edge

Was mich ehrlicherweise überrascht hat, ist die Integration einer Vorlesefunktion in den PDF-Viewer von Microsoft Edge. Bei Firefox (Version 95.0.4) konnte ich eine solche Funktion nicht nativ ausmachen. Ich habe mir dann das Paper „What do we mean by ‚Accessibility Research‘?“ von Kelly Mack et al. vorlesen lassen. In Edge unter Microsoft Windows klappte das für mich erstaunlich gut.

Mozilla Firefox

Es betrübte mich, dass Edge in diesem einen Punkt meinem Lieblings-Browser so weit voraus zu sein schien. Für Firefox konnte ich immerhin ein Plugin ausmachen, welches diese Funktionalität bietet: „Read Aloud: A Text to Speech Voice Reader“. Die Usability ist subjektiv zwar schlechter als bei der nativen Edge-Funktion, da man das Dokument erst hochladen muss (nebst Hinweis, dass es nicht wirklich hochgeladen, sondern nur zum Vorlesen verarbeitet wird). Beim Vorlesen scheint es mir qualitativ ähnlich zu Edge zu sein. Auf meinem Linux-Mint-System klang die Stimme sehr viel roboterhafter als auf Windows, aber ich gehe davon aus, dass das daran liegt, dass ich mich noch nicht damit befasst habe, Sprachpakete zu installieren.

Fazit

Mit diesem kurzen Beitrag erhoffe ich mir, einen Anstoß auch für mich selbst geschaffen zu haben, Assistive Technology besser kennenzulernen. Immerhin haben Text to Speech Programme nicht nur Nutzen für Personen mit Beeinträchtigung, sondern auch für diejenigen, die Inhalte besser durch Vorlesen erfassen. Analog zu Hörbüchern oder Podcasts kann man sich damit nämlich prima alles Mögliche vorlesen lassen.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
Stefan